Ausbildung

Für stattliche Herren

Die Dimensionen des Meisterstücks von Jakob Thomsen sind imposant, aber nicht überzogen. Man kann sich hier durchaus einen großen Hanseaten mit einer guten Zigarre vorstellen! Gefallen findet der offensichtlich auch an geheimen Fächern.

Ursula Maier, Markgröningen, Maître Ébéniste, Innenarchitektin BDIA

Der geradlinige Sekretär gefällt in seiner konsequenten Form und Materialauswahl. Dieses Möbel in einer Höhe von 860 mm ist explizit für einen Herrn gedacht – somit darf es auch wuchtiger aussehen. Klappe und Seiten sind in Mooreiche furniert. Das vertikale Furnierbild der Front setzt sich auf der geschlossenen Klappe fort. Die senkrecht furnierten Seiten erhalten durch das lackierte Fußgestell genügend Abstand zur Platte. Innen setzt die helle Eiche einen freundlichen Kontrast.
Zwei Geheimfächer ergeben sich als Erweiterung der äußeren Schubkästen, deren vermeintliche Rückwände durch Einsteckschlösser gesicherte Zwischenwände sind. Weitere verborgene Fächer befinden sich rechts und links in den breiten Rahmenkufen. Den raffinierten Mechanismus hat Jakob Thomsen selbst entwickelt: Die mit Stangenscharnieren angeschlagenen Blenden werden jeweils magnetisch von einem federnd gelagert, in einer Hülse geführten Stift gehalten. Damit werden die Klappen von innen soweit aufgedrückt, dass die Griffmulde zugänglich wird. Die Klappe ist durch die Magnetkraft fixiert, bis die Hand von außen die Führung übernimmt.
Die breiten MDF-Kufen habe ich auf den ersten Blick aufgrund ihrer Geometrie und der Lackierung für geschweißte Rahmen gehalten – es handelt sich aber um eine reine Tischler-Konstruktion: Oben ist die gefälzte Materialstärke von 19 mm kein Problem, da das integrierte Geheimfach die Seite aussteift. Kühn ist dagegen die 10 mm dünne untere Zarge, welche die 38 mm dicken MDF-Füße auf Abstand halten soll. Ohne Schutz durch eine Aufkantung aus Metall schwebt sie durch Stellfüße etwa 20 mm über dem Boden. Hier hat sich der junge Kollege zwar ganz auf die Mittel des Tischlers beschränkt, damit aber womöglich eine Schwachstelle geschaffen. Insgesamt ist das Möbel eine sehr schöne Arbeit!

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