Zwischenstück Sessel von Vroni Karlstetter

Ein Sessel zum Sitzen

In der Schreinerausbildung an den Schulen für Holz und Gestaltung Garmisch-Partenkirchen entwickelt jeder Auszubildende im zweiten Lehrjahr eigenständig ein sogenanntes Zwischenstück. Vroni Karlstetter, Finalistin beim dds-Preis 2018, hat sich für einen Sessel entschieden.

Vroni Karlstetter, Garmisch-Partenkirchen

Wahrscheinlich haben mich meine Liebe zur Gemütlichkeit und die Sympathie zur Faulenzerei dazu bewogen, einen Sessel zu bauen – einen Sessel zum gemütlichen, aufrechten Sitzen! Dafür habe ich mich mit Maßverhältnissen, Winkeln und Ergonomie im Zusammenhang mit Proportionen und optischer Stimmigkeit auseinandergesetzt. Die Sitzfläche sollte einerseits nicht zu breit, aber auch breit genug sein, um im Schneidersitz sitzen zu können. Armlehnen sollten für die Unterarme bequem erreichbar sein, aber nicht stören. Die Schulterblätter sollten an der Rückenlehne aufliegen, Hals und Kopf aber nicht!

Aus vielen zweidimensionalen Entwürfen auf Papier und einer Vectorworks-3D-Datei entstand ein Stollengestell aus 20 Einzelteilen in massiver Kirsche. Rahmenteile sind mit Schlitz und Zapfen verbunden und Querstücke mit Dominoverbindern eingesetzt. An den Armlehnen ist auf ganzer Länge eine Fase angebracht, die sich von hinten nach vorn konisch verbreitert. Die Polster stehen jeweils etwas über die Rahmen hervor. Sie liegen auf Dreischichtplatten auf, die mit dem gleichen Baumwollstoff bezogen sind. Die Oberfläche des Holzes ist geölt.

Im Rückblick auf die Zeit des Zwischenstücks war die Fertigung mit Ausnahme einer etwas turbulenten Schlussphase eine gute und lehrreiche Erfahrung mit viel Spaß und amerikanischem Kirschbaumstaub auf Haut und Haar. Für mein nächstes Projekt habe ich mir vorgenommen, die Entwurfsphase innerhalb der Entwicklungszeit bewusst zu begrenzen, um nicht in Stress zu kommen. Das wird nicht so einfach werden, weil ich mich schlecht für etwas entscheiden kann, ohne zuvor alle denkbaren Möglichkeiten ausgetestet und durchüberlegt zu haben …

Mit der Formgebung und Gestalt des Möbels bin ich grundsätzlich zufrieden, aber die Skalierung des Entwurfes auf die Originalgröße des Möbels hat mich wieder einmal überrascht: Auch gut durchüberlegte Entwürfe haben im Maßstab 1:1 einfach eine andere Wirkung, als auf der viel kleineren Skizze.