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Ein Mann der Tat

Ausbildung
Ein Mann der Tat

»Als ich 1981 aus der freien Wirtschaft in den Schuldienst wechselte, lachten mich meine Kollegen aus – doch ich bin jeden Tag gern zur Schule gegangen!« Erich Stanislowski
Zum Ende des Schuljahres hat sich Erich Stanislowski, Studiendirektor an der Gewerblichen Schule Schwäbisch Hall, in den Ruhestand verabschiedet. Mit seinem Namen ist der energische Einsatz für eine fundierte Ausbildung in CAD und CAM verbunden. Porträt eines engagierten Zeitgenossen.

Dressurreiten und CAD/CAM sind seine Leidenschaften – in beiden Disziplinen geht es um präzise Befehle auf einem vorgegebenen Parcours. Beharrliches Üben führt zur Virtuosität. Einsatz für seine Sache hat Erich Stanislowski schon in der Ausbildung gezeigt. Der Vater wollte, dass er Maurer wird, die Mutter hätte ihren Sohn gern auf dem Finanzamt gesehen. Doch Erich ging nach der Volksschule wie sein Großvater in die Schreinerlehre. Schon im ersten Lehrjahr ist ihm klar, dass er weitermachen will: Fachhochschulreife und Ingenieurstudium in Rosenheim. Trotz Schreinerlehre verlangten die Bayern ein Jahr Vorpraktikum. Hier erhält der junge Geselle Einblick in Spanplattenfertigung, Sägewerk, Holzleimbau sowie Kunststoffverarbeitung. Es folgen drei Jahre Studium Holztechnik. Als diplomierter Ingenieur ist Erich Stanislowski in der Möbelindustrie als Produktionsleiter tätig. Als sich ein Wechsel abzeichnet, stößt er in der Fachpresse auf ein Gesuch nach Gewerbelehrern im Stuttgarter Raum. Die erwarteten Voraussetzungen passen haargenau. Stanislowski überlegt nicht lange und wagt den Sprung. Sein Verdienst halbiert sich und die Kollegen aus der Industrie lachen ihn aus. Der Leiter des Oberschulamtes Stuttgart ermuntert ihn: »Sie werden jung bleiben und immer ihre Kinder verstehen.« Es folgen 18 Monate Ausbildung an der Hochschule für Berufspädagogik in Esslingen neben der ersten Unterrichtstätigkeit an der Beruflichen Schule in Waiblingen. Im Jahr 1982 tritt Erich Stanislowski als frisch ausgebildeter Lehrer mit großem fachlichen Hintergrund den Dienst an der Gewerblichen Schule Schwäbisch Hall an. 1984 beginnt er mit dem Aufbau der Meisterausbildung: zunächst als Abendkurs und nach zwei Jahren als Vollzeitschule. CAD und CAM sind von Anfang an ein Thema, das ihm am Herzen liegt, auch in der Berufsschule. Er setzt die Wahlpflichtstunden konsequent für die Ausbildung in CAD und CNC ein. Viele ehemalige Schüler danken es ihm. 1991 wird er von der Schulaufsicht Stuttgart zum Fachberater ernannt. Am Seminar für Didaktik und Lehrerbildung für berufliche Schulen gibt Stanislowski seine Erfahrungen in der praxisnahen Vermittlung von CAD und CNC an die Kollegen weiter. Zusammen mit dem Fachverband Schreinerhandwerk in Baden-Württemberg initiierte er die Fortbildung zur CAD/CNC-Fachkraft Holztechnik. Erich Stanislowski ist ein Botschafter des Handwerks. Mit Sorge blickt er auf die dramatisch sinkende Schülerzahl an Berufsschulen als Folge der verhängnisvollen Überbewertung akademischer Ausbildung. – JN

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