Meisterstück Schreibtisch von Benjamin Feiter

Blickfang im Meisterbüro

An diesem Besprechungstisch mit zwei Arbeitshöhen sollen Entwürfe entstehen und mit Kunden besprochen werden. Ein extravaganter Auftritt mit kleinen Irritationen.

Ausgehend von der Idee, die Handwerkskunst im Meisterbüro einer Schreinerei mit einem Möbelstück abzubilden, das lockeres Entwerfen und Begegnung mit Kunden auf Augenhöhe ermöglichen soll, ist eine Kombination aus Schreibtisch und Steharbeitsplatz entstanden. Die expressionistische Formensprache regt zur Interpretation an: Körperhaft, einem Phönix oder einer Gazelle gleich, formen sich Schreib- und Steharbeitsplatz asymmetrisch nach beiden Seiten auf kufenförmig gebildeten, dreiseitig abgeschrägten und zweifach ausgestellten Beinpaaren. Sie schließen sich innen zu einem stumpfen Winkel zusammen. Die auf- und absteigende Linie der Platte verjüngt sich an beiden Enden und gibt dem Möbelstück eine filigran-dynamische Ausrichtung. Die kontrastreiche, aber nicht unharmonische Materialwahl unterstützt die Linienführung im Wechsel von Rüsterfurnier und anthrazitfarbenem Schichtstoff, der haptisch stark beanspruchte Bereiche wie Schreibfläche, Klappe und Schubkästen markiert. Der nutzbare Innenraum des Tisches gliedert sich in vier Funktionen: Eine nach oben öffnende Klappe mit mitgeführten Stifteboxen, eine horizontal verschiebbare Klappe über den beiden Steckdosen und nach vorne sowie an der linken Seite auf seitlichen Holzkulissen geführte Schubkästen für Schreibutensilien und die Computertastatur.

Die Ausführung des Hebemechanismus für die Stifteboxen ist im Detail recht grob ausgefallen und erscheint wie ein Fremdkörper an dem sonst betont harmonisch und fein gestalteten Möbelstück! Auch die scharf zulaufenden Schubkastenecken, bedingt durch die Schräge der Doppel, sind empfindlich und haptisch nicht angenehm im Gebrauch. Im Großen und Ganzen ist Benjamin Feiter mit dem Möbelstück jedoch ein Hingucker gelungen, der durch Form, Funktion, Konstruktion und Material eine moderne Gestaltungshaltung repräsentiert und gleichermaßen durch seine handwerkliche Ausführung vielfältige Möglichkeiten der Handwerkskunst illustriert.

Frontalschnitte: Gekröpfte und konisch auslaufende Tischplatte, Hebemechanik der Stifteladen

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