Meisterstück Flurmöbel von Florian Frisch, Meisterschule München

Asketisch und einladend

Florian Frisch interpretiert mit seinem Meisterstück den Möbeltypus des Flurmöbels multifunktional und in der Form markant, geradezu asketisch. Weißtanne, gezunderter und geölter Stahl, Wollfilz und HPL Fenix Grigio Bromo sind die prägenden Materialien.

Dieses Meisterstück präsentiert sich ebenso einladend wie freundlich; eigentlich prägt es sogar einen neuen Typus, dessen Nutzung erst einmal nicht eindeutig festgelegt ist. Es könnte sich einerseits um eine archaische Sitzbank handeln, deren beobachtete Alltagsnutzung als Ablage für alles Mögliche – vom Altpapier über entsorgungsbereites Altglas, von der Einkaufstasche über die auf den Zusteller wartenden Retouren – jetzt eine angemessenere und ehrlichere Formgebung erlebt: mit einem selbstbewußt in der Mitte platzierten Container, der Dinge in rechts und links davon ordnet und darüber hinaus noch Mützen, Schlüssel, Handschuhe, Ladegeräte und dergleichen ihren Ort gibt. Genauso gut könnte das Möbel auch als eine Weiterentwicklung aus dem altbekannten Flurschränkchen hervorgegangen sein, welches ohne zu beiden Seiten auf dem Boden abgestellte Ordner, Sporttaschen oder sonstiges Zwischengeparktes wohl kaum denkbar ist. Folgerichtig wäre es nun also mit praktischen, an beiden Seiten angeordneten Plateaus versehen, die das kurzzeitige Abstellen von Einkäufen und anderen Dingen ebenso selbstverständlich und rückenschonend erlauben, wie ein kurzes Absitzen – freibleibend und ganz wie es beliebt.

Die Materialstärken der primären Konstruktion sind auf ein Minimum reduziert, sodass die beiden gepolsterten Auflagen fast schon üppig erscheinen. Die zierlichen Stahlbeine sind in diesem Sinne nur konsequent, wobei die zu erwartenden Belastungen im täglichen Gebrauch durchaus auch noch etwas mehr Volumen und vor allem eine Fortführung auf dem Boden bis zu den beiden Enden begründet hätte, ohne klobig zu wirken. Aber das steht hier nicht zur Debatte, sondern ist Teil der meisterlichen Freiheit – ganz nach dem Sinnspruch der Schreinergilde: »Lehrling ist jedermann; Geselle ist, wer was kann; Meister ist, wer etwas ersann!«

Frontalschnitt: Die Schübe aus Weißtanne sind auf Unterflurkulissen geführt
Frontalschnitt: Fußgestelle sind bündig eingelassen und von unten geschraubt
Horizontalschnitt: Abgewinkelte Doppel sind auf Gehrung verleimt. Anschlag mit 3 mm Luft
Vertikalschnitt: Sitz und Lehne sind aus Leisten gespundet. Sie können jeweils mit 3 mm Luft schwinden und quellen und sind dazu durch Hirn- und Gratleisten stabilisiert

Prof. Axel Müller-Schöll lehrt an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Innenarchitektur und Ausbaukonstruktion. dds und dem Tischlerhandwerk ist er seit vielen Jahren beratend und als Autor verbunden.

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