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»Wir verkaufen den Mix«

Der Innenausbauspezialist Keller verdient sein Geld nicht nur in seiner Werkstatt, sondern auch im Küchenstudio und Holzfachhandel. Diese drei Standbeine bilden das Erfolgsgeheimnis von Siegfried Keller mit seinen Söhnen Andreas und Stephan.

Am liebsten sind der Keller Innenausbau GmbH im oberschwäbischen Meßkirch Aufträge bei denen Leistungen aus möglichst allen Geschäftsbereichen gefragt sind, Schreinerei, Küchenstudio und Holzfachhandel. »Holt ein Architekt fünf bis zehn Angebote für eine Leistung aus lediglich einer dieser drei Sparten ein, so findet sich immer einer, der sich vielleicht verrechnet hat und die anderen deutlich unterbietet. Wenn wir jedoch ein Projekt anbieten, das wir selbst geplant haben und in dem alle drei Bereiche miteinander vermixt sind, tut sich ein Kunde schwer, ein Vergleichsangebot einzuholen«, sagt Tischlermeister Andreas Keller, der sich um die Schreinerei kümmert. Sein Vater, Schreinermeister Siegfried Keller, ist der Geschäftsinhaber und leitet den Holzfachhandel mit Bauelementen, wie Zimmertüren, Fenster oder Parkett- und Laminatfußböden. Sein Bruder Stephan führt die Küchensparte, die sich dem Musterhaus-Küchen-Verband angeschlossen hat. Er ist gelernter Bankkaufmann und absolvierte die Kölner Möbelfachschule. Umsatzmäßig sind alle drei Geschäftsbereiche in etwa gleich stark. Die Schreinerei beschäftigt acht Mitarbeiter, der Holzfachhandel vier und das Küchenstudio zwei. Mit insgesamt 14 Mitarbeitern erzielen die Schreinerei und Handel einen Bruttojahresumsatz von etwa 1,9 Millionen Euro. Die Buchhaltung weist Kosten und Erlöse den einzelnen Sparten zu, sodass die Familie ein klares Bild von der Geschäftsentwicklung hat. Der Schreinereibetrieb erwirtschaftet über das gesamte Jahr hinweg recht konstante Umsätze, während der Handel sowohl im Küchenbereich als auch im Holzfachmarkt saisonalen Schwankungen ausgesetzt ist. »Diese Schwankungen gleichen sich jedoch gegenseitig aus. Ein Standbein zieht immer«, sagt Andreas Keller. Das Geschäft mit preiswerteren Bauelementen ist in den letzten Jahren aufgrund sinkender Neubauzahlen zurückgegangen. Kompensation leisten hochwertigere Bauelemente für den Renovierungsbereich wie z. B. HGM-Zimmertüren oder ein neues Angebot der Schreinerei: Waschtische und Arbeitsplatten aus dem Mineralwerkstoff »Rausolid« von Rehau. Hierfür ist ein eigener Ausstellungsbereich geplant.

Alles außer billig
»Mit unseren drei Sparten decken wir das gesamte Spektrum vom günstigeren Mittelfeld bis zur exklusiven und hochwertigen Sonderanfertigung ab. Ohne unseren Mix würden wir auf vielen Hochzeiten nicht mittanzen und wären aus der Wertschöpfungskette ausgeschlossen«, sagt Andreas Keller. Im Umkreis von etwa 60 km gilt Keller als ein führender Anbieter im Innenausbau. Das untere Preissegment überlässt das Unternehmen lieber den Baumärkten. Die Familie Keller stellt mit der Verkaufsausstellung die Produkte in den Mittelpunkt aller Aktivitäten, sodass das Feilschen um Preise kaum eine Rolle spielt. Trotzdem gibt es beispielsweise mit dem Astra-Türenprogramm auch Angebote für Preisbewusstere.
In seiner Schreinerei stellt Andreas Keller zwei entgegengesetzte Trends fest: Die individuell geplanten Einrichtungsprojekte gewinnen an Umfang und Komplexität, während die Anzahl an Kleinaufträgen zulegt und das Volumen je Kleinauftrag sinkt. Zehn Prozent der Aufträge fallen auf größere Innenausbauprojekte, mit dem die Schreinerei etwa 50 bis 60 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftet. »Die Kleinaufträge sind für uns unverzichtbar«, sagt Andreas Keller.
Unverzichtbare Kleinaufträge
Aus diesem Grund ist er bestrebt, im Zuge einer bald anstehenden Betriebsübergabe die 500 m vom Geschäft entfernte und 600 m2 große Werkstatt zu verlassen und einen größeren und moderneren Werkstattneubau in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ausstellung zu errichten. Die für den Kunden sichtbare Werkstatt würde nicht nur das Erscheinungsbild der Handelsbereiche verbessern, sondern auch Kleinaufträge, wie z. B. Plattenzuschnitte, quasi in das Ladenlokal hineintragen. Um diese noch effizienter zu erledigen, will sich Andreas Keller mit der Materialwirtschaft und Lagerhaltung im Werkstattbereich intensiv befassen. Ein Lagerwirtschaftsseminar von Doris Paulus (www.paulus-lager.de) gab den Anstoß.
Über die normalen Tischlereimaschinen hinaus ist die Werkstatt mit einem CNC-Bearbeitungszentrum ausgestattet. Der Zuschnitt erfolgt an einer vertikalen Plattensäge und einer Formatkreissäge. Mit einer eigenen Furnierabteilung und der Kompetenz im Bereich Mineralwerkstoffe kann die Schreinerei alle Wünsche erfüllen. GM

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