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Um die Ecke gedacht

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Um die Ecke gedacht

Die Schreinerei Ackermann hat sich nicht nur von der konventionellen Beschichtungstechnik gelöst und sich neuen Oberflächenmaterialien gewidmet, sie denkt dabei auch um die Ecke.

Designer und Architekten warten mit immer neuen Begehrlichkeiten nach besonderen Oberflächen auf. Tischler und Schreiner, die nach entsprechenden Lösungen suchen, werden bei der Schreinerei Ackermann fündig. Das Unternehmen investierte in eine neuartige Beschichtungsanlage (siehe auch den Beitrag »Karierte Maiglöckchen« auf der Vorseite) und kann neue, von Tischlern und Schreinern in dieser Form so noch nicht verarbeitete Materialien auf Trägerplatten aufbringen. Doch damit wollte sich der geschäftsführende Gesellschafter Frank Ackermann noch nicht begnügen und beschäftigte sich mit der Weiterverarbeitung der neuen Materialverbunde. »Für andere eine harte Nuss, für uns die Rosine im Kuchen«, sagt Frank Ackermann. Denn die Möglichkeiten und gestalterischen Freiheiten, die mit den neuen leimdurchschlags- und verzugsfreien Oberflächenverbunden entstehen, verändern auch die Konstruktionen und Strategien bei der Fertigung der Möbel oder Innenausbauten. Wo bisher z. B. mit HPL belegte Paneele im Ladenbau an den Außenecken auf Gehrung oder in Abschlussprofilen zusammengesetzt waren, profiliert Ackermann die Platte rückseitig auf dem Bearbeitungszentrum und versieht sie mit V-Nuten. In bestechender Optik führt der Fräs- und Faltspezialist danach die beschichtete Fläche um die Ecke. Auch mit empfindlicheren Materialien belegte Platten können radial geschlitzt, mit Quernuten und Fälzen für Konstruktionsböden so versehen werden, dass auch hier in kurzer Zeit fertige Innenausbauelemente z. B. in der Form eines Kegelabschnittes entstehen. Dieser selbst angeregten Material- und Oberflächenvielfalt stellt sich das Unternehmen auch an anderer, ebenso wichtiger Stelle, dem Kantenabschluss der Platten. Nach einer kurzen Einarbeitungsphase in die neue Beschichtungsanlage ist das Belegen der Flächen eine bekannte und kalkulierbare Größe. Die Kanten derart belegter Platten sind mit den branchentypischen Verfahren nicht umzusetzen bzw. auch von der Gestaltung unerwünscht. Hier galt es Textilien oder Leder um Kanten oder Ecken so zu führen, dass das Ergebnis materialgerecht, belastbar, serienmäßig und im Haus reproduzierbar ist.

Die Beschichtung von Trägerplatten mit unüblichen Materialien wie Leder, Kunstleder oder Folien (ohne diese tiefzuziehen) ist eine Weiterentwicklung und Zusammenführung des Know-hows aus den verschiedenen Tätigkeitsbereichen der Schreinerei. Dazu gehört unter anderem die Produktion des mit dem Sächsischen Staatspreis für Design 2003 ausgezeichneten Falthockers der Entwurfsgruppe …4 mit Achim Hack, Wolfgang Kreser und Martin Büdel (www.dreipunkt4.de) sowie der Trockenbauschwerpunkt mit CNC-Faltfräsungen in Gipskartonplatten.
Die Entwicklung der Eck- und Kantenausbildung zeugt von einem Blick über den Tellerrand. Dabei hat sich der Fräs- und Faltspezialist einer Kombination ausgeklügelter Falz- und zwei hintereinander liegender V-Nutfräsungen bedient. Eine zehntelmillimetergenaue Berechnung der Geometrie sowie die ebenso präzise CNC-technische Umsetzung machen es möglich.
Das Ergebnis der aufeinander treffenden Längskanten, die Eckausbildung, ist einer handwerklich ausgeführten sogar optisch überlegen. Die Präzision mit der die um 180° umgelegte Fläche der Vorderseite in die Rückseite übergeht, ist verblüffend. Die so erzeugten Elemente können als Wandpaneele oder Türfronten ohne Unterbrechung weiterbearbeitet werden. Die in Wiesenbronn ausgeklügelt, entwickelten Details lassen erkennen, es mit einem System-Zulieferer zu tun zu haben, der für seine Auftraggeber vollständige Lösungen entwickelt.
Wenn andere Eckausbildungen/Radien gewünscht sind, lässt sich mittels eigens entwickelter Fräsprogramme und Fräsergeometrien in die Ecke ein Aluminiumrohr einfräsen. Ein 90°-Kreissegment bildet die Eckenrundung, die verbleibenden 270° des Rohres fräst Ackermann als jeweils ein 135°-Segment in die beiden Flanken der V-Nut ein.
Fazit
Die Innovationen rund um die Platte aus dem Hause Ackermann ermöglichen ein Design, das sich vorher nur unter Einbeziehung von Nachunternehmern und aufwendigen Konstruktionen und mit den entsprechenden Handling und Transportkosten verwirklichen ließ. Das Ackermann-System liefert gut kalkulierbare, zum Einbau fix und fertige Elemente.
Die bei klassisch mit Leder oder Textilien bespannten Paneelen gewünschte weiche Haptik durch Unterpolsterung, das Nachgeben in der Fläche, ist auch schon in der Testphase. Hier werden Lösungen mit entsprechenden Zwischenlagen in naher Zukunft zu erwarten sein, natürlich mit der perfekten Ecke.
Oliver Hess

Kompakt Georg Ackermann GmbH
  • 97355 Wiesenbronn, Tel.: 0932597250, Fax: 972525, www.ackermanngmbh.de
  • gegründet 1934
  • 94 Beschäftigte
  • 6,4 Millionen Euro Umsatz in 2008
  • arbeitet für Privatkunden, Schreiner, Laden- und Messebau, Industriekunden
  • spezialisiert auf Veredelung von verschiedenster Plattenwerkstoffen
  • liefert europaweit
  • leistungsstark mit 4 BAZ, 5-Achsbearbeitung, 3 Plattensägen, 2 Vakuumpressen, 1 Furnier-, 1 Korpus-, 1 Durchlaufpresse, 1 Kantenanleimmaschine …
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