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Über das Rendering auf die CNC

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Über das Rendering auf die CNC

Bekannt ist PaletteCAD für die Gestaltung von Innenräumen durch 3D-Planung. Wie dazu die nahtlose Integration in Planungsabläufe bis hin zur Ansteuerung von CNC-Maschinen gelingt, zeigt ein Besuch der Manufaktur Holz & Raum in Berlin.

Berlin kann eine Reise wert sein. Für den Bericht »Wohnmöbel in Holzbauweise« über ein Holzhaus mit integriertem Innenausbau in Wandlitz, gedruckt in dds 12/2015, besuchte ich die ausführende Tischlerei in Berlin. Die Tischler von Holz & Raum Berlin GmbH hatten nicht nur den Innenausbau, sondern gleich das ganze Gebäude konstruiert und gebaut. Der Betrieb mit Hauptsitz in Berlin-Weißensee und einem Showroom am Prenzlauer Berg überzeugt mit einer klaren Zuordnung in die Bereiche Bautischlerei, Möbeltischlerei und Lackiererei. Für den Betriebsteil Möbeltischlerei sind sieben Mitarbeiter planend in Verkauf, AV und Projektleitung am Werk. Dazu kommen 17 Tischler/Tischlermeister in der Fertigung, ergänzt um acht Azubis. Bei meinem Ortstermin im Herbst 2015 waren die Berliner gerade am Durcheinanderwirbeln und Neustrukturieren des Maschinenparks sowie der Abläufe in ihren Werkstätten. Am Folgetag wurde mit der fh4 von Schelling eine liegende CNC-Plattensäge aufgebaut – ungewohnt dabei, dass die Tischler ohne echtes Plattenlager, also nur mit einem stehenden Restplattenlager arbeiten.

Mehr als Visualisierung
Im Gespräch mit Firmenchef Dieter Baumhoff über die Betriebsabläufe, zeigte sich, dass das Planungsrückgrat der Tischlerei auf den Tools von PaletteCAD beruht. Bis dahin kannte ich Palette eher als leicht erlernbares Entwurfs- und Visualisierungsprogramm. Nicht nur für Tischler und Schreiner, sondern auch für Fliesenleger, die ohne große Konstruktion nur eines Fliesenspiegels und schöner Verkaufsrenderings bedürfen. Der Erkenntnisgewinn verlangte nach mehr Wissen über die Möglichkeiten von PaletteCAD und dessen Einsatz bei Holz & Raum – seit 15 Jahren ist die Stuttgarter Planungssoftware dort im Einsatz. Schwerpunktmäßig fertigen die Möbeltischler individuelle Küchen in kubischer Formensprache.
Im eigenen Showroom »Der Raum« arbeiten zwei Mitarbeiter fast ausschließlich in der Verkaufsplanung. Der Verkaufsraum liegt im Bezirk Prenzlauer Berg, der sich zunehmend zum etablierten Szeneviertel von Menschen mit höherem Einkommen wandelt. Die Planer nutzen die auf 3D basierende CAD-Software, um effizient mithilfe von eigenen, aber auch von PaletteCAD erzeugten Bibliotheken die Traumküchen der Kunden zu erzeugen. Der Modus »Aquarell« oder der Handzeichnungsmodus »Markerstift« führen zu beeindruckenden Ergebnissen ohne zuviel Planungstiefe zu transferieren. Bei zwei bis drei Stunden liegt der Aufwand in der Entwurfsphase, bis eine integrierte Angebotsmappe mit dynamischer Anbindung an die Planung vorliegt – »Exposé« nennt sich das Modul. Ist der Auftrag eingetütet, übernimmt die AV in Weißensee das Projekt. Einer der vier Projektleiter ist Tischlermeister Steffen Babinski – seit 22 Jahren planend im Betrieb.
Renderings auf die CNC beamen
Die Daten liegen auf dem zentralen Server. Babinski klickt die Vorarbeit der Verkaufskollegen oder seine eigenen Projekte an und schon schlagen sie auf dem Monitor auf, beispielsweise in der Objektliste. Aufgedröselt in Bauteile wie Seiten, Böden, Rückseiten oder Fronten. Dann passt er die Details auf die definierte Objektbeschreibung an. Bei Holz & Raum beginnt die »Individuelle Küche« schon mit dem Verzicht auf universelle Lochreihenbohrungen. Keine Küche ist wie eine andere. Wie mit dem Kunden festgelegt, werden variable Fachbodengruppen angepasst. Sind alle Verbinder, Beschläge, Auszüge – ob 40 oder 100 kg belastbar – und etwaige Sonderbauteile definiert, erzeugt das Programm die Stück- und Beschlaglisten. Für die Zuschnittsoptimierung gehen die Daten an HPO, die Schnittplanoptimierung von Schelling – der Zuschnitt erfolgt auf der liegenden Plattensäge fh4. Etwaige Plattenreste aus dem manuellen Lager verarbeitet das Resteprogramm XBoB – angedockt an HPO. Die Schelling erhält ihre Daten online. Bedient wird sie von einem Mitarbeiter. Das Material liefert zweimal wöchentlich der Händler ZEG in vordefinierter Plattenfolge als Stapel an. Da gibt es keine Platte unnötig zwischenzupuffern – es reicht das Restplattenlager.
Die Fertigung an der CNC, im Bankraum und der finalen Montage geschieht durch vier Teams. Jedes der Teams hat mindestens einen Kollegen mit CNC-Kenntnissen. Auch wenn die CNC-Daten über das Modul PaletteCAM online übergeben werden, findet ein Gespräch zwischen AVler und Teamleiter mit Zeichnungsausdrucken statt, um Feinheiten und Besonderheiten abzustimmen. Da sind die Tischler von Holz & Raum doch zu sehr Handwerker, als dass die Software alles Papier (Haptische) verdrängen könnte.

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dds-Redakteur Hubert Neumann, Gestalter der Fachrichtung Holztechnik und Schreinermeister, traf Dieter Baumhoff und Steffen Babinski am Stammsitz in Berlin-Weißensee und besuchte den Ausstellungsraum am Prenzlauer Berg.

Steckbrief

Holz & Raum Berlin GmbHBau- und Möbeltischlerei 13086 Berlin-Weißensee, www.holz-raum.de
Der Raum10437 Berlin-Prenzlauer Berg, www.der-raum.de
PaletteCAD GmbH, Stuttgart, www.palettecad.com, Holz-Handwerk Halle 11.1/ St. 114

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Tischlermeister
»Mich fasziniert das Konstruieren in 3D – plastisch sehe ich das Ergebnis.«
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