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Tatort Altbau: Zuerst die Analyse

Erkennen von holzzerstörenden Schädlingen im Altbau
Tatort Altbau: Zuerst die Analyse

Altbauten bergen oft Schäden durch holzzerstörende Pilze und Insekten. Autor Ekkehard Flohr beschreibt das Erkennen der Schädigung und die Bekämpfung der verursachenden Organismen.

Ekkehard Flohr, Sachverständiger
Holz- und Bautenschutz

So vielfältig holzzerstörende Organismen (Pilze und Insekten, auch Muscheln und Bakterien) aussehen, so unterschiedlich ist deren Vermögen, Holz zu zerstören. Die sensibelste Phase einer Zerstörung ist der Beginn, kurz nach der Infektion. Eilarven sind gegenüber Klimaänderungen und Nahrungsangebot sehr empfindlich. Auch auskeimende Sporen von Pilzen benötigen erst einmal optimale Bedingungen (hohe Holzfeuchten und Splintholz). Hat sich ein Individuum nach Monaten bis Jahre im Holz etabliert und »festgebissen« so wird es gegenüber widrigen Bedingungen immer unempfindlicher. Äußere Faktoren beeinflussen die Geschwindigkeit und Intensität der einsetzenden Holzzerstörung.

Hierzu zählen die Substratfeuchte (Holzfeuchte) die Temperatur und das Nährstoffangebot. Können einem Bauteil die drei Faktoren in ihrer optimalen Ausprägung zugeordnet werden und kommt es zudem zu einer Infektion, so steht der Entwicklung der Organismen und der einhergehenden Holzzerstörung nichts im Weg. Trotz einer Infektion ist es ausreichend, wenn nur einer der drei Faktoren keine optimalen Entwicklungsbedingen widerspiegelt, um Holzbauteile vor der Zerstörung zu schützen.

An folgenden Praxisbeispielen soll die Varianz der Holzzerstörung und der Bekämpfung, bezogen auf einen Schadorganismus, aber auch im Vergleich zu anderen, im Gebäude exemplarisch dargestellt werden:

Echter Hausschwamm

[Serpula lacrymans] Dieser Pilz, der weitverbreitetste und in Gebäuden am häufigsten anzutreffende, vermag durch Zelluloseabbau das Bau- und Werkholz so weit zu zerstören, dass jegliche Tragfähigkeit verloren geht. Insbesondere im Traufbereich kann er für seine Entwicklung optimale Bedingungen vorfinden. Langanhaltende Feuchte infolge defekter Dachhaut, mangelndes Rücktrocknungspotenzial unter dicken Schuttschichten und nahrhaftes Nadelholz begünstigen sein Wachstum und die Ausbreitung. Sofern die Schadstelle lange unerkannt bleibt, können Holzbereiche außerhalb der Traufe mitgeschädigt werden. Innenfäulen können in Sparrenfüße und Balkenköpfe 0,5 bis 2 m weit vom Auflager entfernt vorliegen. Nicht selten besteht dann Einsturzgefahr.

Die Strukturschäden am Holz sind nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Zusammen mit anderen holzzerstörenden Insekten kann der Echte Hausschwamm Konstruktionsteile nur innen schädigen. Erst an entsprechenden Formveränderungen (Stauchungen) lässt sich erahnen, dass mit der inneren Holzsubstanz etwas nicht stimmt. Demgegenüber ist es durchaus möglich, dass Myzel über die Holzoberflächen wächst, ohne eine erkennbare Strukturschädigung zu hinterlassen (Bild 2). Einerseits kann es sich hier um jüngeres Myzel handeln und andererseits widerstehen dauerhaftere Holzarten (z. B. Eichenkernholz oder Robinie) einem Holzabbau bedeutend länger.

Eine Sanierung schwammgeschädigter Holzbauteile erfolgt grundsätzlich durch Rückschnitt; und zwar 100 cm über den letzten sichtbaren Befall hinaus. Im Ausnahmefall kann dies auf 50 cm reduziert werden. Auch die Beibehaltung von schwammgeschädigten Holzbauteilen ist in der Denkmalpflege denkbar. Dies setzt jedoch allumfassende Bewertung der Schädigung durch qualifizierte Sachverständige und eine Bekämpfung von Fachfirmen mit entsprechendem Know-how voraus. Auch haftungsrechtliche Fragen sind mit dem Planer, dem Bauherr und dem Gutachter zu klären. Grundlagen der Sanierung sind die DIN 68800, Teil 4 (Ausgabe: 12.2020) und das WTA-Merkblatt 1–2, Ausgabe: 01.2021/D.

Haustintling

[Coprinus domesticus] Das Schadpotenzial von dem zu den Nassfäulepilzen zugehöriger und eher seltenen Pilz ist vernachlässigbar gering. Wenn es zur Fäulnis kommt, erzeugt dieser Pilz eine Weißfäule in geringem bis mäßigem Umfang. Dabei kann er Nadel- und Laubholz schädigen. Seine Wachstumsrate kann der des Echten Hausschwamms übertreffen. Sofern das mitunter mehrere Quadratmeter umfassende Myzel gefunden wird (Bild 3), welches auch auf Putz, Mauerwerk und im Fugenbereich wächst, sollte unbedingt nach der Nahrungsquelle gesucht werden. Im Verborgenen haben Myzelien oft Holzbauteile überwachsen. Sehr häufig sind diese an feuchten Fachwerkkonstruktionen (Bild 4) im Keller oder an der Unterseite von Zimmerdecken (nach Wasserschadensereignissen) anzutreffen (Bild 5).

Trotzdem der Pilz ein geringes Schadpotenzial besitzt, ist deren Existenz nicht zu unterschätzen. Er gilt nämlich als Indikator einer früheren oder momentanen sehr hohen Holzfeuchte und ist sehr oft mit anderen Pilzen und Insekten vergesellschaftet. Die Holzsubstanz ist in dem Fall nach weiterem Pilz- und Insektenbefall (siehe auch Bild 4) zu sondieren.

Hat der Pilz nur das Holz zerstört, kann in Abhängigkeit des Zerstörungsumfangs, eine Reinigung bzw. Bebeilung der vermulmten Holzschichten ausreichen. Befallene Holzbauteile müssen nicht immer in Gänze abgeschnitten und ersetzt werden. Besteht noch ausreichender Restquerschnitt, so ist das intakte Holz mit einem vorbeugend gegen Pilze wirkenden Holzschutzmittel zu imprägnieren. Diese vorbeugende Imprägnierung kann auch entfallen, wenn das Holz der Gebrauchsklasse 0 oder 1 zugeordnet werden kann. Anderenfalls müsste das Holz, inkl. Sicherheitsbereich, um 30 cm gekürzt werden. Um diese o.g. Maßnahmen festzulegen, bedarf es auch hier einer Einschätzung durch einen Holzschutzexperten.

Hausbock

[Hylotrupes bajulus] Der bekannteste tierische Holzzerstörer ist der Hausbock. Da die Larven auf das eiweißreiche Splintholz der Nadelhölzer angewiesen sind und das Nährstoffangebot nach außen (Richtung Kambium) zunimmt, wird man dessen Fraßgänge hauptsächlich auch in diesen Bereichen von Konstruktionshölzern finden. In der Regel lässt das Insekt eine dünne Holzschicht unberührt und es deuten lediglich ovale Fluglöcher auf Holzschäden hin.

Eine Korrelation zwischen der Anzahl der Fluglöcher und der Schadintensität ist jedoch nicht möglich. Erst durch Sondierung der Holzoberfläche (bebeilen, abklopfen, anreißen etc.) kann der Zerstörungsgrad am Bauteil ermittelt werden. Dieser hängt von drei Faktoren ab.

  • Wie lange hatte die Insektenpopulation (eine oder mehrere Generationen bzw. 5 oder 50 Jahre) die Möglichkeit, das Holz zu zerstören.
  • Wie hoch war die Befallsdichte, d. h., wie viel Larven konnten im Holz minieren und in einer gewissen Zeit das Holz zerstören.
  • Wie ist das Verhältnis zwischen Kern- (resp. Reifholz) zum Splintholz (Bild 6).

Gerade Letzteres dürfte für die Einschätzung hinsichtlich einer konstruktiv-statischen Würdigung von entscheidender Bedeutung sein. Die Wahl der Bekämpfungsmaßnahmen einer vom Hausbock zerstörten Holzbalkendecke oder eines Dachstuhls wird entscheidend von der Aktivität des Hausbocks bestimmt. Sehr häufig sind »Altschäden« an den Holzbauteilen zu beobachten. Eine Bekämpfung, egal ob mit Holzschutzmitteln, Heißluft oder Gas, würde einen toten Befall noch »toter« machen. Handelt es sich jedoch um eine Insektenaktivität, so ist einer der drei oben genannten Bekämpfungsmaßnahmen sinnvoll.

Welche Maßnahme das Optimum darstellt und ob sich die Bekämpfung aus statisch-konstruktiver Überlegung überhaupt lohnt, ist durch einen Holzschutzfachmann zu klären. Dabei werden Restquerschnitte ermittelt und die Aktivität anhand von Merkmalen bestimmt. Erst seit Kurzem sind in Deutschland akustische, rechnergestützte Detektionsmethoden im Einsatz, die anhand der Fraßgeräusche der Hausbocklarven, zweifelsfrei die Existenz von Larven nachweisen. Nähere Informationen zu dieser Analysetechnik sind beim Verfasser zu erfragen.

Gewöhnlicher Nagekäfer

[Anobium punctatum] Grundsätzlich besitzt der Gewöhnliche Nagekäfer, bezogen auf holzanatomische Gegebenheiten, ähnliches Verhalten zum Hausbock. Er meidet das Kernholz und hält sich vorrangig im Splintbereich auf. In Abhängigkeit des Splintholzanteils (gerade an Dielung und anderen kleinteiligen Brett- und Bohlenbauteilen) kann eine erhebliche Zerstörung vorliegen. Ähnliche Zerstörungen sind anzutreffen, wenn Konstruktionshölzer zum Großteil aus Splint bestehen (z. B. Viertel- oder Halbhölzer). Bei günstigem feuchtem Klima und einer langen Fraßtätigkeit besitzt der Gewöhnliche Nagekäfer auch hier das Potenzial das Bauteil fast komplett zu zerstören.

Neben Nadelholz wird auch der Splint von Laubhölzern befallen und zerstört. Anzutreffen ist dies häufig an Fachwerk-, Turm- und Deckenkonstruktionen aus Eiche, an denen sich Splintholzanteile befinden. Hier kommt es meist zur totalen Zerstörung der Schichten; hat jedoch aufgrund des geringen Splintanteils bei Vollhölzern kaum eine statisch-konstruktive Bedeutung.

Vom Gewöhnlichen Nagekäfer befallene Holzkonstruktion kann in der Regel durch eine Behandlung mit einem bekämpfend wirkenden Holzschutzmittel saniert werden. An denkmalgeschützten Bauteilen ist der Einsatz von Heißluft, Mikrowelle oder Gas denkbar. Auch hier kann der Befall bereits erloschen sein und bedarf im Vorfeld einer gutachterlichen Einschätzung.

Zusammenfassung

Biotische Schäden am Holz sind sehr vielfältig. Nur ein Experte, der die unterschiedlichen Organismen kennt, die Klimabedingungen berücksichtigt, die baukonstruktiven Belange ermittelt sowie die wirtschaftliche Situation im Auge behält, kann eine optimale Bekämpfungsstrategie für das jeweilige Bauwerk erarbeiten. Dadurch können Sanierungsaufwendungen und -kosten eingespart werden.


Steckbrief

Ing.-Büro Ekkehard Flohr GmbH

Öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Holz- und Bautenschutz

An der Hohen Lache 6,
06846 Dessau-Roßlau

E-Mail: ing-buero-flohr@t-online.de

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