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Restaurieren aus Passion

Wolfgang Nonnenmacher setzt auf die Nische Denkmalpflege. Kürzlich konnte er für seinen Schreinerbetrieb das Qualitätssiegel »Fachbetrieb für Denkmalpflege« entgegennehmen.

Bewundernd steht der Besucher vor dem prächtigen barocken Bauerschrank. Noch vor acht Wochen zeigte dieser »Bergische Prahlhans« ein umfassendes Schadensbild, das zum Einsatz vieler restauratorischer Techniken zwang, berichtet Wolfgang Nonnenmacher. Jetzt kann man sich dagegen gut vorstellen, dass er noch einmal 300 Jahre lang seinen jeweiligen Besitzer mit Stolz und Freude erfüllt.

Ort des Geschehens ist nicht etwa eine Museumswerkstatt, sondern die Schreinerei Holz und Form. Den Inhaber Wolfgang Nonnenmacher haben »alte Sachen« seit seiner Jugend begleitet. Aufgewachsen in einem Dorf in Süddeutschland, zwischen familieneigenen Bauernmöbeln und im Schatten einer alten Wehrkirche, stöberte er gern auf Dachböden von Häusern, die vor dem Dreißigjährigen Krieg erbaut wurden.
Beruflich schlug er zunächst eine andere Richtung ein und studierte Raumgestaltung in Dortmund. In einer zweiten Berufsentscheidung begann er eine Schreinerlehre und begegnete seiner Leidenschaft für Historisches wieder, denn »als Schreiner kommt man fast zwangsläufig in Kontakt zu alten Möbeln«. Die Vertiefung in den Treppenbau führte ihn noch näher an die Restaurierung heran.
1986 gründete Nonnenmacher mit Michael Kaiser die Schreinerei Holz und Form GmbH in Bochum. Treppen ersetzen, nachbauen, instandsetzen oder für alte Gebäude passend nachempfinden war bald ein wichtiger Teil der Arbeit. Hier, aber auch bei alten Möbeln oder Eichenfußböden schaute der Schreinermeister genau hin und versuchte, Techniken und Kenntnisse der alten Handwerkskollegen zu verstehen. An die Stelle des eigenen Gutdünkens trat so immer mehr die kenntnisreiche Restaurierung.
In jüngerer Zeit zwangen die Probleme eines mittleren Handwerksbetriebes (zwölf Mitarbeiter) in einem stukturschwachen Raum auch Holz und Form zum strategischen Umdenken und zur Spezialisierung. Der Handwerksbetrieb hatte inzwischen an verschiedenen privaten Denkmalobjekten und kleineren Projekten im kirchlichen Bereich gearbeitet, vor allem aber zahlreiche Möbel vom Barock bis zum Art déco restauriert. So lag es nahe, Nonnenmachers persönliche Leidenschaft und Erfahrung zu nutzen und sich eine Marktposition in der Denkmalpflege aufzubauen.
Als die »Arbeitsgemeinschaft der Fortbildungszentren für handwerkliche Denkmalpflege« vor drei Jahren das Gütesiegel »Fachbetrieb für Denkmalpflege« vorstellte, hatte Nonnenmacher an der Akademie des Handwerks Schloss Raesfeld gerade nach einem 18-monatigen berufsbegleitenden Kurs den »Restaurator im Tischlerhandwerk« gemacht. Unter der Leitung von Eckard Zurheide absolvierten Teilnehmer aus verschiedenen Gewerken einen fachübergreifenden Grundkurs, einen fachspezifischen praktischen Teil und als Prüfung eine Projektarbeit. Seit September 2006 darf sich Nonnenmachers Unternehmen mit dem werbewirksamen Gütesiegel »Fachbetrieb für Denkmalpflege« schmücken.
Der Unternehmer weiß, dass die Leistungsfähigkeit mit der Qualifikation der Mitarbeiter steht und fällt. Inzwischen hat sich mit Janina Witte eine ebenso interessierte wie engagierte Schreinerin unter seiner Anleitung zur Restauratorin ausgebildet. (Gegenwärtig bildet er noch eine weitere Schreiner-Auszubildende für diesen Bereich aus.) Witte verhalf z. B. dem Bergischen Prahlhans in den letzten acht Wochen mit ihrem ganzen Können zu neuem Glanz und einer stabilen Zukunft. Außerdem bestreitet sie einen großen Teil der aufwändigen Dokumentation, die Holz und Form für jedes Denkmal anfertigt und in der sämtliche Schritte der Restaurierung detailliert festgehalten sind. Inzwischen verfügt der Betrieb über mehrere Dutzend solcher Dokumentationen -– ein riesiger Schatz an Erfahrung und Wissen.
Nonnenmacher will sich nach guten Erfolgen in der privaten Restaurierung nun verstärkt im baulichen Denkmalschutz engagieren – obwohl es nicht leicht ist, hier in alte Strukturen einzudringen. Eine Verbesserung seiner Chancen verspricht er sich vor allem durch das neue Gütesiegel; mit dessen Hilfe will er nicht nur Privatkunden, sondern auch die Unteren Denkmalbehörden in der Umgebung sowie Architekten von seiner hohen Qualifikation überzeugen . »Etwa sieben bis zehn Jahre braucht man, bis man in diesem Arbeitsbereich voll Fuß gefasst hat.« Bis dahin will Wolfgang Nonnenmacher den Denkmalpflege-Anteil am Umsatz von Holz und Form von heute 15 auf 30 Prozent steigern. HWW

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