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Nicht ausgelastet

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Nicht ausgelastet

Tischler und Schreiner müssen mehr denn je Maßnahmen gegen die roten Zahlen ergreifen, so Manfred Neue. Der Geschäftsführer des Fachverbandes HKH Mecklenburg-Vorpommern wertet für dds den Betriebsvergleich 2004 aus.

Der Bundesbetriebsvergleich im Tischler- und Schreinerhandwerk weist auch für 2004 eine anhaltende Konjunkturschwäche aus. Das seit 1996 negative durchschnittliche kalkulatorische Betriebsergebnis verschlechterte sich weiter.

Kapitalstruktur. Die Eigenkapitalquote der Tischlereien hat sich dagegen in allen Größenklassen verbessert und beträgt 2004 durchschnittlich 25,4 Prozent. Die kritische 20-Prozent-Grenze ist überschritten. Das Eigenkapital gibt dem Betrieb Stabilität und Sicherheit. Diese positive Entwicklung des Eigenkapitals muss hoch bewertet werden.
Eigenkapitalquote steigt
Trotz der strukturellen Wirtschaftskrise haben die Betriebsinhaber die geringer werdenden Erträge und Gewinne für die Eigenkapitalbildung eingesetzt. Die Tischlereibetriebe haben in den vergangenen zwei Jahren ihre Betriebsstrukturen den schlechten Rahmenbedingungen angepasst. Personalabbau, Verbesserungen in der Technologie und die leistungsbezogene Bezahlung führten zu einer höheren Effektivität.
Bei der Kennziffer Eigenkapitalrentabilität zeigen die Betriebsgrößenklassen I bis III eine Verbesserung; trotzdem bleiben die Ergebnisse in diesem Bereich negativ. Die Größenklasse IV hat sich verschlechtert. Die Betriebe dieser Klasse konnten jedoch ausreichende Renditen (12,3 Prozent) ihres eingesetzten Kapitals erreichen. Bei der Gesamtkapitalrentabilität erreichten nur die Unternehmungen der Größenklassen III und IV positive Werte. Mit 6,0 Prozent werden lediglich in der Klasse IV die Marktzinsen erwirtschaftet. In den Klassen I und II werden mit –11,1 Prozent und –3,3 Prozent die Finanzierungskosten des eingesetzten Kapitals nicht gedeckt. Die Finanzierungsregel besagt, das die Gesamtkapitalrentabilität über dem Kreditzins liegen muss, damit die Kreditfinanzierungskosten gedeckt sind. Die Tabelle 1 gibt Aufschluss über die Entwicklung der Finanzsituation in den untersuchten Betrieben.
Die Finanzierungsregel, wonach das Anlagevermögen durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital getragen werden soll, wird eingehalten. Die Unternehmen haben das Eigenkapital gestärkt und weniger Geld aufgenommen. Hier zeigt sich das veränderte Finanzierungsverhalten der Banken gegenüber kleinen und mittleren Handwerksbetrieben. Langfristig mussten sich die Handwerksunternehmen auf andere Finanzierungsmodelle umstellen.
Leistungsstruktur. Die Gesamtumsätze konnten nur in den Größenklassen I und II gesteigert werden, in den Klassen III und IV sind sie rückläufig. Dies gilt nicht für den Rohgewinn. Er ist nur in der Größenklasse I gefallen. Der Rohgewinn oder die Wertschöpfung I ergibt sich nach der Bereinigung der Umsatzzahlen durch die Materialeinsätze. Die hieraus abgeleiteten Durchschnittskennzahlen Betriebsleistung je Beschäftigten, Wertschöpfung je Beschäftigten und Wertschöpfung je direkt verrechenbare Stunde geben einen guten Überblick und dienen als Messlatte für den eigenen Betrieb.
Betriebsleistung je Mann sinkt
Die Betriebsleistung je Beschäftigten ist außer in der Größenklasse II in allen anderen gefallen, sie liegt im Gesamtdurchschnitt heute bei 85 825 Euro. Auch die Wertschöpfung je Beschäftigten hat sich leicht verschlechtert. Sie liegt im Durchschnitt bei 50 100 Euro. Diese Entwicklung schlägt auch auf die Kennzahl Wertschöpfung je Fertigungslohnstunde durch, sie fiel im Durchschnitt auf 43,30 Euro. Diese Kennzahl zeigt das tatsächlich realisierte Verkaufsergebnis einer Stunde. Die jeweilige Abweichung zum Stundenverrechnungssatz zeigt den Gewinn oder Verlust pro Stunde.
Die verschlechterten Wertschöpfungskennzahlen weisen auf eine ungenügende zeitliche Auslastung der Ressourcen in den Betrieben hin. Die organisatorischen Abläufe sind besser zu gestalten. Für die Preisbildung ist wichtig, dass die Wertschöpfung je Fertigungsstunde höher liegt als der Bruttostundenlohn plus Gemeinkostenzuschlag, um sicher zu gehen, dass kein Verlust gemacht wird. In der Tabelle 2 sind diese Werte dargestellt.
Kostenstruktur und Kalkulation. Der Gemeinkostensatz ist im Durchschnitt um 9,8 Prozent auf nunmehr 256,5 Prozent gefallen. Die in den Betrieben durchgeführten Rationalisierungsmaßnahmen und Einsparungsstrategien konnten die Kostenerhöhungen kompensieren. Das trifft nicht auf die Größenklasse II zu, hier ist ein Anstieg des Gemeinkostenzuschlagssatzes um 6,6 Prozent zu verzeichnen. Die Tabelle 3 zeigt die Entwicklung der Gemeinkostenzuschlagssätze und die zur Kostendeckung erforderlichen Stundenverrechnungssätze nach den Daten der Betriebsvergleiche 2000 bis 2004. Die Stundenverrechnungssätze liegen im Durchschnitt über der 45-Euro-Schallmauer, sie sind um 0,92 Euro gesunken. Trotzdem fordert die Entwicklung auch vom Tischlerhandwerk eine verstärkte aktive Marketingarbeit. Handwerkliche Qualitätsarbeit hat ihren berechtigten Preis! Die in der Tabelle genannten Stundenverrechnungssätze basieren auf den statistisch erhobenen, durchschnittlich gezahlten Bruttostundenlöhnen in 2000 mit 11,95 Euro, in 2002 mit 12,62 Euro und in 2004 mit 12,71 Euro.
Werden auf das Material und die Fremdleistungen Gemeinkosten aufgeschlagen, verringern sich die Gemeinkostenzuschlagssätze. Im aktuellen Bundesbetriebsvergleich wurden durchschnittliche Gemeinkostenzuschlagssätze für Material und Fremdleistungen von 17,0 Prozent bzw. 13,0 Prozent ermittelt. Die reduzierten Stundenverrechnungssätze sollten nicht ungeprüft übernommen werden. Jeder Verwender von reduzierten Verrechnungssätzen sollte sich immer verdeutlichen, wie viel von den echten Kosten durch die Material- und Fremdleistungszuschläge abgedeckt werden soll und um wie viel er dabei seinen Stundenverrechnungssatz – in Abkehr vom Kostenverursachungsprinzip – marktorientiert verbilligen will.
Die für den einzelnen Betrieb echten Gemeinkostenzuschlagssätze können nur über die Ermittlung in einer Betriebsabrechnung auf Kostenstellenbasis festgestellt werden (z. B. Betriebsabrechnungsbogen). Auf dem gleichen Weg sind auch die differenzierten Stundensätze für Maschinenstunden, Bankraumstunden oder Montagestunden zu ermitteln. Hier sollten Sie die Hilfe der Betriebsberatungsstellen Ihrer Fachverbände des Tischler- und Schreinerhandwerks in Anspruch nehmen.
Die Teilnahme am Bundesbetriebsvergleich ist freiwillig und die Datenerhebung anonym. Die in der Auswertung ermittelten Kennzahlen sollten nicht unkritisch auf den eigenen Betrieb übertragen werden. Die Auswertebroschüre des Bundesbetriebsvergleiches können Sie über die Geschäftsstelle Ihres Fachverbandes beziehen.

Konsolidieren
Auch bei rückläufigen Erträgen belassen die Tischler und Schreiner zunehmend mehr Geld im Unternehmen, um die Kapitaldecke zu stärken. Das bringt Sicherheit für noch schlechtere Zeiten und erweitert die unternehmerischen Spielräume. Weiterhin passen die meisten Betriebe auch ihre Personal- und Maschinenkapazi- täten der Marktsituation an und steigern ihre Effektivität, zum Beispiel mit verbesserter Fertigungstechnik oder leistungsbezogener Entlohnung. Manfred Neue
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