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Mehr auf einmal

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Mehr auf einmal

Immer mehr spezialisierte Tischler und Schreiner erledigen mit unkonventionellen Fertigungskonzepten mehr auf einmal – z. B. wenn sie den Plattenzuschnitt und die folgenden Bearbeitungen in einem Arbeits- gang vornehmen. Prof. Dr. Frieder Scholz von der FH Rosenheim beschreibt die aktuellen Entwicklungen.

Auf der Messe Holz-Handwerk in Nürnberg hat sich Ende März gezeigt, welche Neuheiten der Ligna im Mai 2005 für das Handwerk interessant sind. Im Fokus dieses Beitrags stehen Maschinen, die den Weg des Werkstücks durch die Produktion verkürzen. Sie eignen sich vor allem für den spezialisierten Tischler und Schreiner, bei dem die Trennlinie zur industriellen Produktion kaum auszumachen ist.

Bei den Fertigungslinien geht der Trend zu Anlagen mit einem Generalanbieter mit Gesamtverantwortung und Garantie von Produktionszielen. Einzelmaschinen lassen sich zunehmend nur noch im Handwerk oder als Komponenten größerer Anlagen absetzen.
Technik für kleine Losgrößen
Des Weiteren ist die Entwicklung zu immer kleineren Fertigungslosen und die Verlagerung der Kommissionierungspunkte zum Anfang der Produktionslinie ungebrochen. Für die Fertigungsanlagen bedeutet dies weiter fortschreitende Flexibilisierung der Komponenten und des gesamten Layouts. Ob hierbei die Losgröße 1 – von Homag bereits vor einigen Jahren als Losung ausgegeben – in allen Fällen das Optimum ist, bleibt abzuwarten. Die Meinungen der Experten gehen hierzu auseinander. Trotzdem läuft die Entwicklung eindeutig in Richtung Flexibilisierung der Durchlaufmaschinen und zum vermehrten Einsatz der Stationärfertigung. Fertigungsinseln, verkettet mit Förderern, die auch als Puffer dienen, sichern die Flexibilität im Materialfluss und lösen sukzessive die alten Fertigungsstraßen ab – eine Entwicklung, die ebenfalls in der Automobilindustrie zu sehen war. Außerdem finden Knickarmroboter hier ihren Platz, hauptsächlich zur Handhabung, aber auch in einigen Fertigungsbereichen wie Spritzen, Schleifen, Montage und bei Metallteilen natürlich Schweißen. Für die spanende Fertigung mit Knickarmrobotern gibt es nur wenige Beispiele. Die Toleranz- und Steifigkeitsprobleme dieser Geräte erlauben heute noch keine Vorschubgeschwindigkeiten, die mit Bearbeitungszentren konkurrieren könnten. Man wird sehen ob sich diese Schwierigkeiten in Zukunft lösen lassen. Gegenüber der klassischen Durchlauffertigung wird diese Flexibilität allerdings stets mit einer deutlichen Einbuße bei der Produktivität erkauft. Dies gilt schon für die flexiblen Durchlaufmaschinen und noch mehr für die stationäre Fertigung im Vergleich mit den alten Durchlaufmaschinen. Damit die Rechnung aufgeht, macht dies dies eine höhere Wertigkeit auf der Produktseite erforderlich, die sich natürlich nicht in allen Marksegmenten realisieren lässt. Die Maschinenhersteller treten diesem Manko mit verkürzten Rüstzeiten entgegen. Weinig hat beispielswei- se das Werkzeugschnellwechselsystem »Powerlock« entwickelt, bei dem man mit einem Handgriff das erledigt, wofür man früher viele Minuten benötigte und zusätzlich mehrere Probefräsungen durchführen musste.
Aufgabenverdichtung
Neben dem Bemühen um höhere Durchlaufgeschwindigkeiten an den Bearbeitungsstationen suchen die Maschinenhersteller auch Möglichkeiten, mehr Bearbeitungen in einem Arbeitsgang zu erledigen. So hat Ima beispielsweise eine Kantenanleimmaschine entwickelt, die die Schmalflächen nicht nur beschichtet, sondern auch mit Löchern versieht.
Beim Plattenaufteilen dringen die Trennfräsen mit Nestingsoftware verstärkt in die Domäne der Plattenaufteilsägen ein. Vorteil ist die bessere Materialausnutzung insbesondere bei regellosen Konturen, ggf. kann auch ein Arbeitsgang (Aufteilen + Vorfräsen = Aufteilfräsen) eingespart werden. Die Standardlösung arbeitet mit einer MDF-Schonplatte. CMS bietet für diesen Zweck aber schon seit mehreren Jahren einen Vakuumteppich an, auf den durchgefräst werden kann. Beschickung und Entnahme erfordern bei dieser Technologie bisweilen einen erheblichen Aufwand, bei Vollautomatisierung kann die dafür notwendige Investition die der eigentlichen Maschine um ein Mehrfaches übertreffen.
Von diesen neuen technischen Entwicklungen profitiert auch die kleinere handwerkliche Produktion. Die Maschinen sind mit einfacheren, preisgünstigen Steuerungen oder digitalen Maßstäben für Einstellungen und Anschläge ausgestattet, manuelle Umstellungen wie das Umlegen von Riemen gehen zurück. Für den Zuschnitt sind positionsgesteuerte Maschinen mit einfachen Aufteil- und Verschnitt-Optimierungsprogrammen verfügbar. Kleinere Bearbeitungszentren runden das Angebot ab, und auch die Kombinationsmaschine hat eine Renaissance erfahren: Panhans kündigte bereits 2005 eine Kombination von Druckbalkensäge mit einem Fräs- und Bohraggregat an einem Portal an und stellte diese auf der Holz-Handwerk vor. Für Betriebe mittlerer Größe offenbar eine überlegenswerte Variante. Prof. Dr. Frieder Scholz

Immer flexibler
Die Hersteller von Holzverarbeitungsmaschinen haben sich auf kleinere Losgrößen eingestellet und neue Konzepte für eine effektive Stationärfertigung entwickelt. Außerdem sind die neuen Durchlaufmaschinen flexibler. Fertigungsinseln lösen die alten Produktionsstraßen ab – eine Entwicklung, die die Automobilindustrie längst abgeschlossen hat. Inzwischen setzen die Holzverarbeiter vereinzelt auch Roboter ein. Prof. Dr. Frieder Scholz
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