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Kundennutzen bringt Wertschöpfung

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Kundennutzen bringt Wertschöpfung

Wie können sich Tischler und Schreiner erfolgreich am Markt behaupten? Wie lassen sich ihre Anteile an der Wertschöpfungskette sichern oder gar ausbauen? Manfred Neue empfiehlt den Kundennutzen als strategische Zielmarke.

Der noch aktuelle Bundesbetriebsvergleich des Jahres 2006 zeigt eine Stabilisierung der wirtschaftlichen Situation in den Betrieben des Tischler- und Schreinerhandwerks. Das belegen auch die Konjunkturumfragen aus dem Jahr 2007. Die verbesserte konjunkturelle Lage kann aber nicht den anstehenden Problemdruck verdecken. Bei vielen Tischler- und Schreinerbetrieben besteht Handlungsbedarf bezüglich

  • der Kompensation steigender Einkaufspreise
  • des Erkennens und Berücksichtigens von Marktanforderungen
  • sowie der Entwicklung langfristiger Geschäftsstrategien
Alle drei Bereiche wirken sich mittelbar oder unmittelbar auf die betriebliche Wertschöpfung aus.
Kompensation steigender Einkaufspreise. Steigende Material- und Rohstoffpreise, die Verteuerung bei Energie-, Wasser- und Abwasser- sowie der Entsorgungskosten zwingen die Betriebe zu rationelleren Fertigungsmethoden. Große Verbesserungspotenziale liegen oft in der betrieblichen Organisation.
Steigende Preise bei den Vorleistungen verringern bei nur gering steigenden Verkaufspreisen die Wertschöpfung (Wertschöpfung I = Betriebsleistung – Material – Vorleistungen).
Die steigenden Personal- und Sozialkosten verschärfen diese Entwicklungsrichtung noch zusätzlich. Es ist den Unternehmen jedoch gelungen, die produktive Arbeitszeit effektiver zu nutzen, die Betriebsleistung und die Wertschöpfung je Beschäftigten zu erhöhen.
Mit dieser Entwicklung kann den genannten Preissteigerungen entgegengewirkt werden (Wertschöpfung II = Betriebsleistung – Material – Vorleistungen – Personalkosten).
Diese Entwicklung allein reicht jedoch nicht aus, um auf die veränderten Bedingungen zu reagieren. Die Kundenanforderungen und der Markt verändern sich sehr schnell. Es gilt die Aufträge zu sichern. Voraussetzung für eine hohe Wertschöpfung im Unternehmen ist die Auftragslage.
Marktanforderungen erkennen und berücksichtigen. Bei der allgemeinen Entwicklung am Tischler- und Schreinermarkt sind folgende Veränderungen zu beobachten: Neue Erfolg versprechende Marktfelder zu erschließen erweist sich als schwierig, da
  • die Märkte für Tischler-/Schreinerleistungen gesättigt sind
  • die Zulieferindustrie/Montagebetriebe Marktanteile gewinnen und
  • die Konkurrenz aus neuen EU-Staaten steigt.
Gleichzeitig haben sich die Kundenprioritäten geändert, es ist eine Änderung in der Rangfolge festzustellen:
  • Preis
  • Innovation
  • Service/Nachbetreuung
Parallel dazu wird eine Veränderung in der Bevölkerungsstruktur beobachtet, die Mittelschicht wird kleiner, die Zahl der älteren Menschen wächst. Das führt zu Verwerfungen in der Hauptkundengruppe unserer Tischler und Schreiner, den privaten Haushalten.
Wertschöpfung realisiert sich über den Nutzen für den Kunden, er ist nur bereit den Preis zu zahlen, den er für sich als angemessen wertet. Wertschöpfung ist zum Beispiel der Zusatznutzen aus Sicht des Kunden zwischen rohem Holz und verarbeitetem Holz in Form eines Möbels mit verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten. Aus dieser Sicht sind unsere Produkte und Leistungen ständig zu hinterfragen, damit verändern sich auch die Ansprüche an diese. Wer am Markt bestehen will muss sich dieser Entwicklung stellen. Künftig gilt es, sich stärker in folgenden strategischen Geschäftsfeldern zu bewegen:
  • Spezialisierung, Ausrichtung auf spezielle Kundengruppen: Generation 50+, gehobener Innenausbau, Wellness und Erholung / Freizeit, Dachinnenausbau, Niedrigenergiehäuser
  • Innovation: moderne Treppenlösungen, Einbruchschutz / Sicherheit, Brand- und Rauchschutz, Wärme- und Schallschutz
  • Service: Wartung- und Pflege, Planungsleistungen / Entwürfe, Gestaltung / Design, Montage, Bauleitung bei Renovierungen und Umbauten, Reparatur und Restauration
  • Handel als Ergänzung der Leistung: Ausstattungsgegenstände, Möbel / Küchen
Für den erfolgreichen Tischler und Schreiner gilt es zukünftig, die Palette der möglichen Leistungen für den Kunden auszuschöpfen, um ein breites Auftragsangebot zu erhalten und darüber Umsätze und Leistungen zu generieren.
Geschäftsstrategien für die Entwicklung des eigenen Betriebes aufstellen. Die zukünftige Leistungspalette der eigenen Tischlerei / Schreinerei sollte langfristig entwickelt werden. Dabei sind Partnerschaften und Kooperationen zu berücksichtigen, nicht alles kann selbst erbracht werden. Hier spricht man von Wertschöpfungsketten, von Einzelleistungen, die aufeinander aufbauen. Die eigene Wertschöpfung ist immer im Zusammenhang mit der gesamten Wertschöpfungskette und dem gewählten Geschäftsmodell zu sehen. Eine auf niedrigste Kosten optimierte Wertschöpfungskette kann fatale Folgen haben, wenn die Geschäftspartner nicht verlässlich liefern können oder wenn die Partner wirtschaftlich nicht stabil sind und ein Wechsel zu einem anderen Lieferanten schwierig ist. Die Optimierung der Wertschöpfung innerhalb der gesamten Wertschöpfungsketten muss also immer auch die anderen Aspekte der Stabilität in der Lieferkette, die Einhaltung von Qualität und Terminen sowie den Schutz vor neuem Wettbewerb berücksichtigen
Daher ist die Festlegung der eigenen Wertschöpfung, z.B. in Verbindung mit der Unternehmensplanung, bei der Ausgestaltung von Wachstumsstrategien und Wachtumsvorhaben, bei der Konzeption von neuen Produkten und Leistungen von hoher Bedeutung. Die in diesem Zusammenhang meist ebenfalls geführten Diskussionen von Auslagern oder Einbeziehen von Leistungen sind letztlich nichts anderes als eine andere Umschreibung der Frage nach einer Optimierung der eigenen Wertschöpfung.
In diesem Prozess bieten die Fachverbände des Tischler- und Schreinerhandwerks ihren Mitgliedern Hilfe und Unterstützung an. Gemeinsam mit den Betriebsberatern können Lösungsvorschläge erarbeitet und die Umsetzung begleitet werden.
Darüber hinaus wurden Produkte, Leistungen und Initiativen entwickelt, die durch die Mitgliedsunternehmen genutzt werden können. Es seien hier nur Beispiele genannt:
  • über die TSH GmbH: Brand- und Rauchschutztüren, handlaufgetragene Treppen, Faltwerkstreppen
  • über die HKH Service und Produkt GmbH: WK-2 Fenster
  • über die Fachverbände HKH: Entspannt Modernisieren, Barrierefrei Wohnen, Creatis – Objektausstattung – Möbelhandel, Initiativen zum Einbruchschutz, z. B. QSN – Qualitätsgemeinschaft Sicherheitstechnik Nord
Nutzen Sie die Angebote Ihrer Fachverbände des holz- und kunststoffverarbeitenden Handwerks.
Manfred Neue, Geschäftsführer HKH Fachverband Mecklenburg-Vorpommern
»Wer am Markt bestehen will, muss seine Leistungen ständig auf den Nutzen hinterfragen.« Manfred Neue
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