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Früher war alles besser

Reeditionen im Möbelbau
Früher war alles besser

IMM Cologne und Kölner Passagen sind wiederkehrende Ereignisse. Auffällig viele ihrer Exponate sind es auch: Reeditionen stehen bei namhaften Möbelherstellern und ihren Kunden derzeit hoch im Kurs. Was macht die Neuheiten von damals so erfolgreich?

Zur IMM Cologne 2018 präsentiert Arco in der Design Post Köln eine überarbeitete Version des 1990 von Arnold Merckx entwickelten Tisches Diabolo. Die Neuauflage bietet eine große Materialvielfalt: So kann die Tischplatte in Eiche natur oder geräuchert bestellt werden, ist aber auch in amerikanischem Nussbaum, Fenix HPL sowie in Marmor und Kalkstein erhältlich. Die Säule ist aus Eiche oder Nussbaum furniert oder lackiert. Der Betonfuß kann in diversen Beton- oder Lackfarben angelegt werden. Diabolo kann erweitert werden und passt zum Trend der Urbanisierung mit kleineren Haushalten. Darüber hinaus überzeugt er mit zeitlos gültigen Tugenden: Die zentrale Säule in der Tischmitte sorgt für ausreichend Beinfreiheit, die dünne Tischplatte ist kompatibel mit nahezu jedem Stuhlmodell. Neben dem runden Tisch Balance ist Diabolo der zweite Klassiker von Arnold Merckx in der Arco-Kollektion. Wer in der Design Post bei Arco nach Neuheiten fragt, wird auf weitere Reeditionen des niederländischen Herstellers hingewiesen, zum Beispiel den Tisch Essenza von Willem van Ast.

Der von Arne Jacobsen entworfene Society Table wurde 1952 zunächst als Einzelstück von der Werft Burmeister & Wain in Auftrag gegeben. Als Teil einer kompletten Büroausstattung war er als Geschenk für die American-Scandinavian Foundation in New York bestimmt. Das abgehängte Schubladenmodul ist ein integraler Bestandteil der Struktur und ermöglicht die schlanke Ausführung des Rohrrahmens. Dazu bildet das aufgesetzte Tischregal ein Pendant. Die mit Leder bezogene Tischplatte schmiegt sich wie ein Tischtuch an den Stahlrohrrahmen. Schlitze in den Ecken legen die Tischbeine frei – ein gestalterischer Kniff, der dem Tisch seine schwebende Anmutung verleiht.

Auch Carl Hansen bietet heutigen Kunden mit der Neuauflage des Möbels eine größere Materialvielfalt: Schubladen sind in massiver Eiche, Nussbaum oder schwarz lackierter Eiche erhältlich, der Modulkörper ist aus Furnierholz gefertigt. Füße sind passend zum Schubladenmodul verfügbar. Das Tischregal und die integrierte Leuchte aus gebürstetem Edelstahl sind optional erhältlich.

Dank ihrer ausgereiften Form und Funktionalität werden Möbelklassiker zu zeitlosen Begleitern. Ihre Reeditionen setzen den Schwerpunkt auf behutsame Korrekturen und erweiterte Materialauswahl. Unsere Beispiele von Arco und Carl Hansen stehen für viele weitere, die Liste ließe sich lange fortführen.

Form und Funktion der jetzigen Klassiker haben offenbar einen kompromisslosen Entwurfsprozess durchlaufen, der sie über Modeströmungen erhaben macht. Die Tatsache, dass vielerorts Reeditionen die Bühne bereitet wird, statt Neuheiten am Fließband vorzustellen, spricht weniger für Einfallslosigkeit als für Wertschätzung und möglicherweise Besinnung: Wenn sich Möbelediteure auf diese Weise kreative Pausen verschaffen, um die Klassiker von morgen zu entwickeln, ist das eine gute Entwicklung.


dds-Redakteur Johannes Niestrath ist bei vielen Ausstellern im Rahmen der IMM Cologne auf Reeditionen von Designklassikern gestoßen. Ein starkes Signal, heute in die Klassiker von morgen zu investieren!

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