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Fleiß, aber kein Preis

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Fleiß, aber kein Preis

Beim Gestaltungswettbewerb „Die Gute Form“ in Hessen hat die Preisverleihung nachträglich zu einem Eklat geführt.

Hans Graffé

Der Fachverband Holz und Kunststoff Hessen hat dem Landessieger der Guten Form den ersten Preis aberkannt, und zwar mit der Begründung, der Auszubildende Michael Lessmöllmann habe beim Entwerfen seines Gesellenstücks die Hilfe eines professionellen Designers in Anspruch genommen.
Was war passiert? Ein Azubi und sein Meister beschäftigten sich mit Gestaltungsfragen und holten sich Rat bei einem Experten. Mit dem Ergebnis waren alle zufrieden, der Weg zum Ziel wurde exem- plarisch in dds (11/2003, Seite 74) vorgestellt.
Den beiden engagierten Schreinern hieraus einen Strick zu drehen, ist nicht gerechtfertigt. Gerade die Veröffentlichung zeigt doch, dass hier weder etwas verheimlicht werden sollte, noch in betrügerischer Absicht gehandelt wurde. Ob die Vorgehensweise, einen Profi zu befragen, grundsätzlich wünschenswert ist, kann man durchaus diskutieren. Ich meine: Warum eigentlich nicht? Dass die Gute Form zum „Tummelplatz für professionelle Gestalter“ wird, muss man nun nicht gleich befürchten. Und in diesem Zusammenhang von einer Beeinträchtigung der „Chancengleichheit“ für die Azubis zu sprechen, ist weltfremd. Jeder weiß, dass die Voraussetzungen in den Ausbildungsbetrieben äußerst unterschiedlich sind. In manchen Betrieben kann der Meister (weil er Interesse, Zeit, Geduld … hat), unterstützen, im anderen eher weniger. In Baden-Württemberg oder NRW wäre Lessmöllmann vielleicht zum Formgebungsberater seines Verbandes gegangen, und niemand hätte ein Problem damit gehabt.
Nun dem betreuenden Meister auf Grund der Angelegenheit auch noch nahezulegen, sein Amt im Ausschuss für Kultur und Gestaltung niederzulegen, schießt weit über das Ziel hinaus. Der Verdacht drängt sich auf, dass es hier nicht mehr nur um das Gesellenstück seines Auszubildenden geht.
Das eigentlich Pikante an dem Vorfall in Hessen ist etwas anderes: Eben jener Designer, den der Azubi konsultiert hatte, saß der Jury des Gestaltungswettbewerbs vor. Das ist mehr als problematisch, keine Frage. Er hätte sich bei der Abstimmung über das fragliche Stück enthalten, besser noch die Teilnahme an der Jury ganz ablehnen müssen.
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