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»Den Lehrplan ausschöpfen«

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»Den Lehrplan ausschöpfen«

Erich Stanislowski unterrichtet CAD/CAM an der gewerblichen Schule Schwäbisch Hall. Schüler und Kollegen schätzen ihn als wandelnde Hotline
Erich Stanislowski, Fachlehrer an der gewerblichen Schule Schwäbisch Hall, integriert die CAD/CAM-Grundausbildung als Pilotprojekt in den Lehrplan der Berufsschule.

Seit es die sogenannten C-Fächer gibt, wird diskutiert, wo welche Inhalte von wem gelehrt werden können, müssen oder dürfen. Ob die Grundlagen der CAD/CAM-Technik in der Berufsschule didaktisch sinnvoll vermittelt werden können, erweist sich als untrennbar verbunden mit der Bereitschaft, den Lehrplan und Lernfeldunterricht mit didaktischer Fantasie umzusetzen. Das zeigt das Beispiel der Gewerblichen Schule Schwäbisch Hall.

Erich Stanislowski unterrichtet seine Berufsschüler ab dem ersten Lehrjahr in CAD und CNC: Im ersten Jahr werden im Rahmen des Computerunterrichts in 40 Stunden CAD-Grundlagen vermittelt. Das erscheint sinnvoller, als diese Zeit mit Grundlagen des MS-Office-Pakets zu füllen, die an der allgemeinbildenden Schule bereits behandelt wurden. Die Schüler zeichnen bei Stanislowski von Anfang an dreidimensional: »Ein kleines Stück im 3-D-CAD konstruieren und Schnitte herausziehen muss im ersten Lehrjahr sitzen.« Vorausgesetzt, das Thema sitzt auch bei den Lehrern. Dafür engagiert sich Erich Stanislowski seit Jahren als Fachberater für die Lehrerfortbildung an beruflichen Schulen im Regierungsbezirk Stuttgart.
Anlegen und vertiefen
Im zweiten Lehrjahr lassen sich dann im Rahmen des Wahlpflichtfaches zwei Wochenstunden zum 14-tägigen Block von vier Stunden zusammenziehen. So ergeben sich innerhalb der ersten beiden Ausbildungsjahre zirka 160 Stunden für die Grundausbildung in CAD/CAM.
Im dritten Lehrjahr werden samstags freiwillige Vertiefungsblöcke angeboten, insgesamt 40 Stunden. Das berührt nicht die Arbeitszeit im Betrieb und wird von den Schülern, die beim C-Thema angebissen haben, dankbar angenommen: Sie können im Rahmen der Grundausbildung kostenlos bis zu 200 CAD/CAM-Stunden absolvieren und sind so bestens gerüstet für die Anforderungen der CNC-Fachkraft Holz.
In Schwäbisch Hall macht man die Erfahrung, dass der Lernfeld-Unterricht wie geschaffen dafür ist, CAD/CAM- Inhalte auf jeder Stufe der Ausbildung didaktisch sinnvoll zu integrieren. Die Maxime heißt »aufeinander aufbauend vermitteln und in der kontinuierlichen Anwendung über drei Jahre hinweg vertiefen« – ein Ziel, dass bereits im bayerischen Rahmenlehrplan für die dortige CNC-Ausbildung formuliert ist und in Schwäbisch Hall als Grundlage für die angestrebte landeseinheitliche Prüfung zur CNC-Fachkraft in Zusammenarbeit mit dem Landesfachverband Schreinerhandwerk Baden-Württemberg dient. Erich Stanislowski illustriert das pädagogische Konzept: »Als wir an der Schule von WoodWop 5.0 auf die Version 6.0 umgestellt haben, rauchten nach zwei Tagen die Köpfe – erfahrenen Kollegen, die sich auf diesem Gebiet auskennen. Den dritten Schulungstag werden wir in Anspruch nehmen, wenn sich die Grundlagen gesetzt haben. Ein Blockkurs CAD/CAM-Grundlagen ohne regelmäßige Anwendung des Gelernten macht für mich vor diesem Hintergrund sehr wenig Sinn.«
Interessenkonflikte
Geht es um Bildungsangebote, dann auch um Einnahmen der Bildungsträger durch Gebühren und ggf. öffentliche Fördergelder. Letztere stehen wieder im Raum, seit ZDH und Bundesverband Tischler Schreiner Deutschland kürzlich überraschend einen Modellversuch zur CNC-Ausbildung bekannt gaben (vgl. dds 1/2011, S. 74). Berufliche Schulen mit fundiertem C-Angebot konkurrieren mit den Handwerkskammern und freien Trägern um Förderung und das bessere Konzept, sollte die Evaluierung positiv ausfallen. Fest steht: Wenn engagierte berufliche Schulen konzeptionell in der Lage sind, die CAD/CAM-Ausbildung didaktisch sinnvoll in den Lehrplan zu integrieren, kann eine für alle Bundesländer verpflichtende überbetriebliche Ausbildung nicht die anzustrebende Perspektive sein. JN
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