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Ballast abgeworfen

dds vor Ort
Ballast abgeworfen

Die neue CNC brachte alles ins Rollen, weil es für sie keinen Platz gab. Im Rahmen des Festool Effizienz-Oskars hat die Schreinerei Thaler aufgeräumt, Ballast abgeworfen und den Platz geschaffen. Markierungen auf dem Boden geben Struktur und bewahren die Ordnung.

WEr die Werkstatt der Schreinerei Thaler im oberschwäbischen Aulendorf betritt, muss sich nicht erst orientieren, intuitiv läuft selbst ein betriebs- und fachfremder Besucher nur auf den Gängen, sieht, wo welche Abteilung liegt, kann Lager- von Fertigungsbereichen unterscheiden, erkennt, welche Materialstapel aktuell verarbeitet werden und welchen Weg sie durch die Fertigung noch zu gehen haben. Quasi im Vorbeigehen nimmt er wahr, wie der Betrieb abläuft. Weiße Markierungen auf dem Boden begrenzen Wege, Arbeitsbereiche, Lagerflächen und zeigen bei den Maschinen sogar die Positionen für die Aufgabe- und Abnahmestapel.

Die Markierungen schaffen eine Grundordnung, die sich selbst Respekt verschafft. So wie ein Autofahrer automatisch der Spureinteilung auf der Autobahn folgt, wird jeder, der in der Halle arbeitet oder auch nur etwas anliefert, sich im Linienraster bewegen und keine Palette einfach in den Gang stellen. In der Werkstatt sah es jedoch nicht immer so aus, die Geschäftsführung und die Belegschaft haben vor einem Jahr aufgeräumt, die Flächen für die Abteilungen, Maschinen, Lager und Stapelflächen für die Durchlaufmaterialien neu aufgeteilt und die Ordnung mit weißer Farbe auf dem Fußboden fixiert.
Erfolgreich mit vier Standbeinen
Die Schreinerei beschäftigt in einer 1200 m2 großen Werkstatt zwölf Mitarbeiter, davon zwei Meister. Auch bereits vor der Neustrukturierung der Werkstatt war das Unternehmen schon gut organisiert. Im Schreinereibetrieb gibt es drei Geschäftsbereiche: Möbel- und Innenausbau, Zulieferteile für Industriekunden sowie Grabkreuze. Ein Beerdigungsinstitut bildet den vierten Geschäftsbereich. Geschäftsführer sind die Brüder Matthias und Christof Thaler. Matthias leitet die Schreinerei, Christof kümmert sich um den Bestattungsbereich und, wenn keine Beerdigungen anstehen, um den Zuschnitt für die Grabkreuze. Vor allem die Grabkreuze, von denen die Schreinerei jährlich 15 000 Stück fertigt, aber auch die Zulieferteile für die Industrie sind organisatorische Selbstläufer. Aufwendiger sind die Abläufe im Innenausbau. Um den Verkauf und die Angebote kümmert sich weitgehend Matthias Thaler. Die beiden Meister arbeiten als Projektmanager und nehmen Aufmaß, konstruieren, erstellen AV-Unterlagen, bestellen die Materialien, stimmen alle Termine und Details mit den Kunden und Architekten ab und kümmern sich darum, dass ihre Aufträge die Fertigung sauber und fristgerecht durchlaufen. Die Branchensoftware OSD und das Konstruktionsprogramm Spirit hilft den Meistern beim Erstellen der Stücklisten und der CNC-Programme. Diese Arbeitsteilung und die Software erweisen sich als praktikabel und leistungsstark. Die Meister schaffen es immer wieder, die Belange der Kunden mit denen der Schreinerei in Einklang zu bringen.
Die Fertigung selbst ist arbeitsteilig organisiert. Die großen Maschinen, Plattensäge, die Kantenanleimmaschine und die CNCs sind mit festen Mitarbeitern besetzt. Die Montage- und Bankraumarbeiten erledigen in der Regel die Maschinenführer der CNCs. Bis vor einem Jahr lag der Engpass der Fertigung bei der CNC, die täglich allein für die Grabkreuze sechs Stunden im Einsatz war. Die Brüder haben sich zum Kauf einer zweiten CNC entschlossen.
Die Maschine sollte zum einen die Kapazität ausweiten, aber auch 5-Achs-Technik erlauben, etwa für Gehrungsschnitte mit ClamexP-Verbindern an Dachschrägenschränken. Die Anschaffung dieser Maschine brachte jedoch erhebliche Probleme mit sich, weil es keinen Platz für sie gab, obwohl 1200 m2 Werkstattfläche für zwölf Mitarbeiter recht großzügig bemessen sind.
Für Matthias Thaler war das die Gelegenheit, auch die Fertigung genauer unter die Lupe zu nehmen. Als Innungsbetrieb kannte er den Wettbewerb »Festool Effizienz-Oskar«, den der Landesfachverband Schreinerhandwerk Baden-Württemberg ausgeschrieben hatte. Er bewarb sich mit seinem Investitionsprojekt um die Teilnahme. Es ging darum, die Maschine in den Betrieb zu integrieren und Platz dafür zu schaffen. Daraufhin ist der technische Berater des Verbandes, Horst Kastner, für einen halben Tag nach Aulendorf gekommen, hat sich ein Bild von der Werkstatt und den Arbeitsabläufen gemacht und Verbesserungsvorschläge beziehungsweise Hausaufgaben formuliert: Material, das bestimmte Abmessungen oder Qualitätsmerkmale nicht erfüllt, wegwerfen, Bodenmarkierungen für Wege, Lagerplätze und Pufferbereiche. Weiterhin sollten nicht mehr verwendete Maschinen aus der Werkstatt verschwinden und alle Lager strukturiert werden. In weniger als 100 Stunden waren die Hausaufgaben neben dem laufenden Betrieb erledigt. Der Betrieb hat sich von drei Traktoranhängerfüllungen mit Holz- und Plattenresten getrennt. Es hat sich Platz für die Maschine gefunden.
Kleiner Aufwand, großer Nutzen
»Mit dem Festool Effizienz-Oskar erhielten wir eine kostenlose Beratung, haben den Platz für die Maschine gewonnen, die Werkstatt aufgeräumt und strukturiert. Wir erreichten den dritten Preis und bekamen dafür sogar noch eine Festool Workstation. Die Mitarbeiter finden sich jetzt besser zurecht und müssen kein Material mehr suchen. In der neuen Struktur läuft die Arbeit effizienter. Mit geringem Aufwand haben wir viel erreicht«, sagt Matthias Thaler.

Jetzt bewerben: der Festool Effizienz-Oskar geht in die nächste Runde
Im Rahmen des alle zwei Jahre ausgelobten »Festool Effizienz-Oskar« motiviert der Landesfachverband Schreinerhandwerk Baden-Württemberg auch in 2017 alle Schreiner in Baden-Württemberg, die Effizienz im Betrieb zu verbessern. Ziel ist es, die Strukturen, die Organisation, die Abläufe und die Arbeitsplatzgestaltung kritisch zu hinterfragen und zu verbessern. Voraussetzung für die Teilnahme ist eine signifikante Rationalisierungsmaßnahme zur Steigerung der betrieblichen Effizienz. Dazu gehören beispielsweise die Arbeitsplatzgestaltung, Ordnung und Sauberkeit, Verbesserung der Abläufe, der Organisation oder des innerbetrieblichen Transports ebenso wie die Ergonomie oder ein Gesundheitsmanagement. Neben der Auszeichnung mit dem Effizienz-Oskar winken den Betrieben mit den drei effizientesten Projekten Sachpreise aus dem Festool-Produktionsprogramm »Arbeitsplatzorganisation« und »Elektrowerkzeuge«. Alle Teilnehmer profitieren zusätzlich von weiteren Angeboten: Dazu gehört eine halbtägige kostenlose Ist-Analyse im Betrieb mit Verbesserungsvorschlägen durch den Landesfachverband sowie die Teilnahme an einer Auftaktveranstaltung im Hause Festool.
Infos und Anmeldung:
Horst Kastner Tel.: (0711) 16441-11

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dds-Redakteur Georg Molinski erlebte alle Bereiche der Schreinerei Thaler aufgeräumt und effizient: die Produktion von Grabkreuzen, die Serienfertigung für Industriekunden sowie den Innenausbau
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