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»Alternative zu Tropenholz«

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»Alternative zu Tropenholz«

Sägewerker Martin Hagensieker ist schon lange von thermisch modifiziertem Holz überzeugt. Als Zulieferer des Holzfachhandels bietet er dem Tischler/Schreiner ein ganzes Sortiment entsprechender Produkte an. Wie schätzt er die zukünftige Entwicklung ein?

Herr Hagensieker, unter dem Label »ProGoodWood« beliefern Sie den Holzfachhandel mit »Spezial«-Thermoholz. Was heißt das genau?

Um uns vom Markt abzuheben, haben wir beschlossen, dass jedes Produkt, das unter dem Namen ProGoodWood unser Werk verlässt, die Dauerhaftigkeitsklasse 1 erreichen muss. Das geht also deutlich über die Vorgabe des geplanten Qualitätssiegels für Thermoholz TMT hinaus, das Dauerhaftigkeitsklassen zwischen 1 und 3 erlaubt. Wir wollen einfach das beste Thermoholz anbieten, das auf dem Markt erhältlich ist.
Wieviel Thermoholz stellen Sie her?
Wir modifzieren zur Zeit rund 10000 Kubikmeter pro Jahr mit zwei Kammern. Eine dritte Kammer ist bereits projektiert.
Welche Sortimente bieten Sie an?
Terrassendecks, Brettschichtholz, Schloss- und Massivholzdielen, Fassadenprofile, Fensterkanteln und Schnittholz.
Könnten Sie die einzelnen Bereiche quantifizieren, was läuft am besten, was weniger gut?
Terrassendecks sind mit 50 Prozent das wichtigste Segment. Danach kommen unsere Schloss-/Massivholzdielen, Fassadenprofile und Brettschichtholz mit jeweils etwa 15 Prozent. Der Rest verteilt sich auf Schnittholz und die Fensterkantel Fadura.
Welche Holzarten setzen Sie ein?
Wir setzen bisher zu über 90 Prozent die Buche ein. Des Weiteren arbeiten wir mit Eiche, Esche und ein wenig auch mit Ahorn. Esche z.B. gibt es auf dem Markt z. Zt. fast nicht, der Preis ist entsprechend hoch – zu hoch. Mittlerweile haben wir als Alternative die Pappel entdeckt. Daraus lässt sich ein hervorragendes, fast astfreies Thermoholz produzieren. Ich denke, dass Pappel schon in diesem Jahr ein Viertel unseres Umsatzes ausmachen wird. Im Fassadenbereich hat die Pappel übrigens eine lange Tradition.
Welchen Stellenwert nimmt die Buchenholzkantel »Fadura« ein, die seit Ende letzten Jahres in das VFF Merkblatt HO.06-4 aufgenommen wurde und damit für den Fensterbau zugelassen ist?
Im letzten Jahr machte sie nur etwa zwei Prozent unseres Umsatzes aus. Für dieses Jahr gehen wir von zehn bis 20 Prozent aus. Es laufen einige große, exklusive Projekte, von denen wir uns eine größere Bekanntheit und einen Multiplikatoreffekt versprechen.
Laminieren Sie auch Kanteln, die nur in der Außenlamelle aus Thermoholz bestehen?
Nein. Wir sind überzeugt, dass der symmetrische Aufbau die beste Wahl ist. Die Kantel »steht« auch bei schwierigen klimatischen Bedingungen. Wir produzieren Fadura seit sechs Jahren und hatten in dieser Zeit keine einzige Reklamation. Für bessere Wärmedämmwerte bieten wir die »Fadura plus«, bei der die Mittellage aus Pappel besteht. Damit erreichen wir einen Uf-Wert von 0,94 W/m2K.
Und dabei gibt es keine Probleme mit der Beschlagbefestigung?
Mit den entsprechenden Schrauben nicht. Das Erreichen des erforderlichen Auszugswiderstands ist kein Problem.
Was gab bei den angesprochenen Großprojekten den Ausschlag zu Gunsten des Materials Thermoholz?
Zum einen, dass es sich um einheimisches Holz handelt. Zum anderen, dass wir die geforderten Nachweise für die LEED-Zertifizierung liefern konnten. LEED ist ein Bewertungssystem für nachhaltiges Bauen, das bei Ausschreibungen zunehmend gefordert wird. Auch einen Auftrag in Österreich über 4000 m2 Terrassendielen haben wir aufgrund von LEED bekommen. Wir sind im Übrigen auch FSC- und PEFC-zertifiziert.
Wo liegen die Kanteln im Preis?
Es handelt sich um qualitativ hochwertige Produkte zu einem angemessenen Preis. Wir siedeln uns bei den anderen modifizierten Hölzern (Accoya und Belmadur, Anm. der Red.) an. Wobei diese in der Regel das modifizierte Holz nur in der Außenlamelle haben.
Wie schätzen Sie den Markt für Thermoholz allgemein ein?
Der Bereich wird weiter wachsen. Leider haben viele Händler und Verarbeiter immer noch große Vorbehalte. Zu Beginn der Thermoholzproduktion wurden viele Fehler gemacht, die das Renommee des Materials schwer beschädigt haben. Vor allem in der Schweiz sind Terrassenprofile aus Buche völlig falsch produziert worden. Die thermische Behandlung ist ein Prozess, für den viel Erfahrung erforderlich ist. Die meisten Hersteller können z. B. nach wie vor keine Weißeiche modifizieren.
Bietet sich für Tischler und Schreiner hier ein neues Betätigungsfeld und falls ja, in welchem Produktsegment?
Im Innenbereich sind viele Kunden von der dunklen Farbe des Thermoholzes begeistert. Ob Möbel, Innenausbaukomponenten oder Fußböden: Hier gibt es für den Tischler ein breites Betätigungsfeld. Durch die technischen Eigenschaften ist das Material besonders für den Bad- und Wellnessbereich geeignet. Was den Außenbereich angeht, muss man sagen: Hier haben andere Gewerke die Nase vorn.
Welche Gewerke sind das?
Garten- und Landschaftsbauer, Zimmerer und auch Dachdecker. Die meisten Tischler tun sich mit den aufgerufenen Preisen schwer. 100 m2 Terrassendeck mit zwei Mann in 16 Stunden verlegen, das ist eine Ansage. Dafür ist der Schreiner zu genau, zu penibel. Leider haben viele Tischler auch verlernt, mit einheimischem Holz im Außenbereich umzugehen. Welcher Tischler kauft beim Händler heute Ware und sagt, ich möchte stehende Jahrringe, also Rifts oder Halbrifts? Keiner. Aber genau darauf kommt es im Außeneinsatz an. Leider geht es immer nur um den günstigsten Preis. Für den kann der Sägewerker den Riftschnitt aber nicht bieten. Die Ausbeute ist dabei ja viel geringer. Das Tropenholzangebot der letzten Jahrzehnte hat zu einer Sorglosigkeit in der Anwendung geführt, die (unmodifiziertes) einheimisches Holz nicht verzeiht.
Was wünschen Sie sich von den Tischlern und Schreinern?
Eine etwas größere Bereitschaft, sich mit neuen Themen auseinanderzusetzen. Die Chancen, die thermisch modifiziertes Holz im Innen- und Außenbereich bietet, sind groß. Es wäre schade, sie ausschließlich anderen Gewerken zu überlassen. Das Interview mit Martin Hagensieker führte dds-Chefredakteur Hans Graffé.
»Aus Pappel lässt sich her- vorragendes, fast astfreies Thermoholz produzieren.« Martin Hagensieker

Kompakt TMT und CMT
Als »Thermoholz« bezeichnet man Holz, das nach einem definierten Verfahren und unter Sauerstoffentzug einer Temperatur zwischen 160 und 220 °C ausgesetzt wurde. Dauerhaftigkeit und Formstabilität werden dadurch signifikant verbessert. Neben thermisch modifiziertem Holz (»TMT«) ist chemisch modifiziertes Holz (»CMT«) auf dem Markt. Bekannt sind die Produkte »Accoya« (acetylierte Radiata-Pine) und »Belmadur« (vernetzte Kiefer). Alle Infos zum Thema: dds-Special »Holz 2.0« auf www.dds-online.de.

Martin Hagensieker
Martin Hagensieker ist Inhaber und Geschäftsführer des gleichnamigen Sägewerkes in Bad Essen. Hagensieker verarbeitet ausschließlich Holz aus nachhaltig bewirtschaftetem heimischem Wald. Thermoholz ist für ihn ein Beitrag zum Schutz des Tropenwaldes.

ProGoodWood
ProGoodWood ist der Handelsname des Thermoholzsortiments bei Hagensieker. Neben Terrassendielen und Fassadenholz werden u.a. Schlossdielen bis 350 mm Breite und 15 Meter Länge angeboten sowie Schnittholz für den Möbel- und Innenausbau.
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