Marktübersicht Laser-Distanzmessgeräte

Selbstverständlicht

Seit den Neunzigerjahren sind Laser-Distanzmesser auf dem Markt. Damals noch so breit, wie sie heute lang sind, haben die Geräte es geschafft, so selbstverständlich zu werden wie Zollstock, Bleistift und – Smartphone.

Von den Aufgaben, die ein Laser-Distanzmesser erfüllen soll, hängt die Kaufentscheidung ab. Ein einzelnes Top-Gerät kann es nicht geben, die Anbieter konzipieren ihre Modelle nach Anwendungsfeldern. Geräte, die für Innenräume gedacht sind, sollte man nicht vergleichen mit solchen, die auch im Außenbereich funktionieren. Helligkeit des Laserstrahls und des Displays, Zieltafel und Lasersichtbrille, Wasserschutz nach IP 65 – unwichtig bei einem Messgerät, das auf die Schnelle einen möblierten Innenraum vermessen soll. Handlichkeit und Robustheit des Gehäuses, unkomplizierte Bedienung und damit Schnelligkeit des Aufmaßes, das sind Kriterien, die für alle Geräte gelten.

Das genaue Messen ist nichts Spektakuläres mehr, es ist die Pflicht, die alle erfüllen müssen. Die Kür liegt in der Weiterverwertung der Daten: speichern, benennen, ordnen, weiterleiten und verwenden: Hier spielt die Musik. Usability, also Anwendungskomfort, ist das Unterscheidungskriterium der neuen Gerätegenerationen. Seit der Erfindung des Smartphones gibt es die Möglichkeit, auch in Messgeräte einen Touchscreen einzubauen. Frühere Geräte waren auf Tasten und zeilenbasierte Displays angewiesen, man musste sich durch Menüs klicken, um Funktionen aufzurufen. Touchscreens dagegen ermöglichen eine windows-ähnliche Benutzerführung, die auch Texteingabe einschließt, und das Verwalten der Daten in getrennten Projekten. Dabei muss der Touchscreen nicht zwingend im Gerät selbst eingebaut sein. Per Bluetooth lassen sich die Messgeräte mit Smartphones verbinden, eine App fungiert als Fernsteuerung und ersetzt Bleistift und Papier. Noch besser, was den Papierersatz betrifft, ist ein Tablet, denn dort kann ein Zeichenprogramm laufen, mit dem man die Bausituation dokumentiert. Das Tablet ersetzt den Laptop bei der Verwertung der Daten, während das Smartphone den Vorteil bietet, immer online zu sein. Ein großes Tablet mit SIM-Karte verbindet beides und ist so etwas wie das Klemmbrett der Zukunft.
Auch eingebaute Kameras tragen zur Smartphonisierung der Distanzmesser bei, mit zwei Funktionen: Im Außenbereich wird die Kamera als Zielfernrohr verwendet, zum Anpeilen des Messpunkts bei hellem Licht; im Innenraum dienen Fotos mit bemaßten Linien als Zeichnungsersatz.
Die dritte wichtige Hardware-Komponente ist der Neigungssensor, der eine Wasserwaage und eine Schmiege ersetzen kann: Bei Pythagoras-Messungen kann das Messgerät nicht nur exakt horizontal oder vertikal positioniert werden, auch alle Winkel dazwischen kann es anzeigen. Wenn das alles genau sein muss, ist natürlich ein Stativ unentbehrlich, dafür haben Profigeräte eine Gewindeaufnahme.
Und dann gibt es immer noch das kleine Messgerät zum Immer-Dabeihaben. Es sollte gut in der Hand liegen und robust verarbeitet sein, damit es lange hält – länger als Billiggeräte aus Fernost. Deren Preis mag für Heimwerker verlockend sein, Profis wissen, was sie an solidem Werkzeug haben. Die Hersteller hochwertiger Geräte kämpfen nicht mit an dieser Preisfront, sie versuchen, mit Funktionen am oberen Ende der Qualitätsskala zu punkten. Dort sind die größten Effizienzgewinne zu erzielen. Kurzes Nachdenken über den Zeitgewinn sollte genügen, um sich klar zu machen, dass sich ein High-End-Gerät allemal rasch amortisiert und eigentlich jedes Geld wert ist.

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Jörg Zinßer ist Tischlergeselle und Journalist. Er arbeitet als freier Autor für dds. Für die Marktübersicht hat er die Informationen der Hersteller zu den Produkten gesammelt und die Tendenzen der Produktentwicklung zusammengefasst.

Ach So!
ISO Norm 16331-1

Die Norm regelt, wie Reichweite und Genauigkeit der Laserentfernungsmesser geprüft werden und macht die Geräte unterschiedlicher Hersteller vergleichbar.