dds vor Ort

Doppelte Leistung, gleicher Preis

Dass die AV für jedes Fenster ein CNC-Programm generieren muss, und die CNC dann nur halb so schnell ist wie eine Winkelanlage zum etwa gleichen Preis, wollte Claudia Portenkirchner nicht einsehen. Sie setzt auf ihre Mitarbeiter und ausgeklügelte Durchlauftechnik.

Mit einem Auftragsblatt kommt Seniorchef Franz Portenkirchner in die Werkstatt, drückt Reinhard Wagner das Papier in die Hand und bittet ihn, ein Fenster für einen Schreinerkollegen als Schnellschuss dazwischenzuschieben: Holzalu, 90 mm dick, 80 x 80 cm, Dreh-Kipp, DIN L. Der Schreinermeister verschwindet im Lager, sucht die Kanteln zusammen, holt sie auf einem Wagen herbei und hobelt sie. Mit dem Wagen begibt er sich zur neuen Winkelanlage, die »Dogma« von SCM, wählt am Bildschirm das 90-mm-Holzalu-Sysem aus und tippt die Außenmaße ein. Für jedes Bauteil erscheint eine Zeile, die er nach und nach abarbeitet. Rechts von der Querbearbeitungsstation verfährt die Werkstückzange. Reinhard Wagner nimmt das erste Kantelpaar, legt es als Doppelteil in die Zange, schiebt es nach links gegen den Schiebeverschluss der Querbearbeitungsstation und spannt die Hölzer über ein Pedal pneumatisch fest. Die Maschine öffnet sich, Werkzeugturm und Splitterholz fahren auf Position, die Kanteln fahren ein, der Oberdruck am Maschineneinlauf senkt sich, das Werkzeug setzt sich in Bewegung und fräst die Zapfen. Danach löst sich der Oberdruck, die Spannzange fährt wieder zurück, dreht die Kantel um 180° und fährt zum Schneiden der gegenüberliegenden Zapfen erneut ein. Schließlich löst Reinhard Wagner wieder die Zange, entnimmt beide Hölzer und schiebt diese nacheinander in die Längsprofilierstation mit zwei Wechselspindeln. Sobald der Kollege den Flügel verleimt hat, wird er diesen ebenfalls auf dieser Maschine umfälzen.

Die Schreinerei Portenkirchner in Kirchstein am Waginger See beschäftigt 12 Mitarbeiter und fertigt täglich 30 Fenster, jedes exakt nach Kundenwunsch, oft denkmalschutzkonform. Eine Besonderheit ist ein Renovierungsstockrahmen, der für den schonenden Einbau erst in der Mauerlaibung montiert wird. Das erspart das nachträgliche Einputzen.
Die Investition in eine neue Fenstermaschine stand an, weil sich auf der alten Winkelanlage die Profilvielfalt nur mit aufwendigen Werkzeugwechseln realisieren ließ und mehr als 72 mm Dicke nicht möglich waren. Die Geschäftsführerin Claudia Portenkichner, ihr Vater und die Meister konnten sich nicht von einem Bearbeitungszentrum überzeugen lassen, zumal sich der Betrieb die Türblätter zuliefern lässt. Die Investitionssumme einschließlich Werkzeuge und Umbau der Absauganlage hätten sowohl für die CNC als auch für die Winkelanlage an die 400 000 Euro betragen. Die CNC schafft jedoch nur 15 Fenster pro Tag, die Winkelanlage gut das Doppelte. Außerdem kann die Winkelanlage Schrägfenster und Segmente herstellen.
Obwohl Portenkirchner mit der Klaes-Fenstersoftware arbeitet, lehnt die Chefin es ab, dass jeder Auftrag den Weg durch die AV und den CNC-Generator gehen muss: »Unsere Leute verstehen ihr Geschäft. Wenn sie die Maße kennen, wissen sie auch so, was zu tun ist.« Also entschied sie sich, die alte Winkelanlage für das bisherige 72-mm-Programm zu behalten und mit der neuen Winkelanlage 13 neue Fenstersysteme neu auf den Markt zu bringen.
Flexibel, schnell, unkompliziert
Der Hersteller SCM, der 1995 auch die alte Anlage geliefert hat, konnte die Schreinerei vor allem mit seinen Schnellwechselhubspindeln überzeugen. Der Werkzeughersteller Vivaldi hat die Profile geschickt auf vier 320 mm hohe Wechselwerkzeugtürme gesplittet. »Das Fräsbild ist tipptop. Die Werkzeuge lassen kundenspezifische Profilvarianten zu. Mit vielen Standardwechselmessern erweisen sich diese Werkzeuge für uns außerdem als recht günstig«, sagt Franz Portenkirchner. »Mit der Winkelanlage mussten wir uns nicht umstellen. Sie läuft wie geschmiert. Damit schaffen wir locker 30 Fenster pro Schicht.«

dds Redakteur Georg Molinski hat die Schreinerei Portenkirchner vor Ort in Kirchanschöring besucht. Er fand einen rund laufenden Betrieb vor, der auch ohne CNC flexibel und in Stückzahl 1 fertigt.

Kontakt

Anwender: Schreinerei Portenkirchner GmbH 83417 Kirchanschöring www.portenkirchner.de
Maschine: SCM Group Deutschland GmbH, 72622 Nürtingen www.scmgroup.com
Werkzeuge: Vivaldi Fensterwerkzeuge GmbH 73116 Wäschenbeuren www.beiermeister.com

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Claudia Portenkirchner
»Die Dogma ist schnell und flexibel. Sie passt zu uns«