Interview mit Bosch-Chef Henk Becker

»Die effiziente Baustelle kommt«

Mit 20 000 Mitarbeitern ist Bosch Power Tools der große Player bei Elektrowerkzeugen, Zubehör und Messtechnik. Zugleich entstehen mit dem Zugriff auf Sparten wie der Sensor technik der Bosch-Schwestern Synergien. Ein Gespräch mit Geschäftsführer Henk Becker.

Das Gespräch führte
dds-Redakteur Hubert Neumann

Aktuell gibt es kaum einen Handwerker, der im Ausbauboom alle angetragenen Aufträge bedienen kann. Während sich in der Werkstatt durch den Einzug von CAD, CAM, CNC & Co. die Produktivität immens steigert, bleibt die Baustelle in Sachen Effizienz das große Nadelöhr der Betriebe. Wir fragten Geschäftsführer Henk Becker von Bosch Power Tools, welche Wege Bosch geht, um die Baustelle wirtschaftlicher zu machen.

Herr Becker, im Gegensatz zu
hoher Produktivität in der Werkstatt sind viele Baustellenabläufe weiterhin ineffizient? Wo sind Ihre Ansatzpunkte, um das zu verändern?

Henk Becker: Eine Antwort darauf ist »Connectivity«. Die Vernetzung von Geräten ist von großer Bedeutung, aber nicht als Gimmick, weil vernetzt schick ist, sondern weil wir damit die Produktivität steigern. Es gibt dazu verschiedenste Ansätze. Nehmen wir unseren Kombi-Laser, den GCL. Man könnte sich fragen, warum muss ich den vernetzen? Eine Positionierung, zum Beispiel von Trockenbauwänden, muss sehr akkurat sein. Sobald sie irgendetwas anfassen, verändern Sie Einstellwerte. Und oft ist die Positionierung auch nicht am Boden, sondern in einer gewissen Höhe. Dann ist es natürlich toll, wenn sie das Gerät per App steuern und die Laserlinien individuell positionieren können, ohne das Gerät zu berühren und dabei Einstellungen zu verfälschen. Zudem muss der Handwerker nicht die Leiter rauf und runter.

Wie verarbeiten Sie Messdaten?

Gemessene Werte können sofort in eine dahinterliegende, elektronische Zeichnung übernommen werden. Oder Sie erstellen mit den Werten eine Zeichnung, einen »floorplan« nennen wir das. Heute messen viele noch mit einem Maßstab, notieren das, übertragen das vielleicht
in eine Exceltabelle – das sind Vorgänge, bei denen Fehler entstehen können.

Bei der Messtechnik ist das schlüssig. Wo führt losgelöst davon die Vernetzung zur Baustelleneffizienz?

Nehmen Sie Baustellenstrahler. Ein stark nachgefragtes Produkt. Da ist oft nicht nur einer, sondern es sind mehrere im Objekt. Jetzt wollen Sie etwas ändern. Gemeinschaftlich ein- und ausschalten, dimmen – machen Sie das mit der App, entfällt der Weg zum Strahler. Ein kleines Beispiel, aber eine Erhöhung der Produktivität. Zugleich erhöht es die Sicherheit: Sie sehen einfach mehr.

Bleiben wir bei der Produktivität.

Wir haben Produkte, die bei bestimmter Nutzung einen Sanftanlauf bieten. Sie können vorsichtig beginnen und dann erst die volle Power nutzen. Wir nennen das Soft-Start.

Der notwendig ist beim Anbohren in empfindlichen Materialien …

Genau. Und jetzt können Sie diesen Softstart, wenn Sie ihn nicht brauchen, aus- schalten. Sie können nutzungsspezifisch ihre Werkzeuge konfigurieren. Mit Connectivity und einer zugehörigen App. Auch hier das Thema Sicherheit. Nehmen Sie »KickBack Control«, die Rückschlagsicherung, bei der wir Sensorik in die Maschinen reinbringen, um den Schutz des Anwenders zu erhöhen. Sobald Sie auf einer Leiter stehen und bei der Gerätenutzung auf Widerstand stoßen, die Werkzeuge sind enorm stark …

… ein 40er-Bohrer, der das Armierungseisen im Beton erwischt – die Maschine dreht den Nutzer …

… zum Beispiel. Oder Sie haben ein Holz mit nicht einsehbaren Einschlüssen und haben den KickBack sehr sensitiv eingestellt. Sie wollen also durch dieses Holz, aber dauernd schützt Sie dieser KickBack davor – und stoppt das Werkzeug. Sie können die Sensitivität des KickBacks fein nachjustieren, abgestimmt auf Holzarten, Astigkeit usw. Oder auf das Material, schwer armierter Beton etwa, und erzielen so den perfekten Arbeitsfortschritt.

Auch wenn Sie schlüssig argumentieren. Nimmt der Markt Connectivity, die Vernetzung, überhaupt an?

Das wird sicher nicht von heute auf morgen passieren, sondern ist ein Prozess. Es muss dem Nutzer erlebbar gemacht werden. Lassen Sie mich nochmals betonen: Es ist kein Gimmick,
keine Spielerei, sondern es hilft mir wirklich bei der täglichen Arbeit. Das kann man beschreiben, aber im Grunde muss man es erleben. Denn erst, wenn man es erlebt hat, dann hat man die Vorteile und den Sinn und Zweck der Vernetzung verstanden.

Welche Rolle spielt Zubehör dabei?

Betrachten wir das Ganze unter Effizienz, müssen wir uns über das Gesamtsystem unterhalten. Also über das Zusammenspiel von Maschinen, Akkupack, Ladetechnik und Zubehör! Wir entwickeln und bieten alles aus einer Hand an –
das zeichnet uns aus. Nehmen Sie das Starlock-System beim »Multi-Cutter«, mit Fein gemeinsam entwickelt. Das Zubehör wechseln sie wie bei einer Skibindung: Klick – fertig. In drei statt 30 Sekunden. Dazu durch den Formschluss perfekt stabil und akkurat präzise. Und dann durch das Farbsystem auf einen Blick gefunden. Wenn im Haus die Ingenieure, die die Zubehöre entwickeln, gemeinsam mit den Kollegen, die Werkzeuge entwickeln, im Team Lösungen erarbeiten, ergibt das ein perfektes Zusammenspiel.

Das Thema Akkutechnik bewegt …

Das Thema Akku ist ein Hauptfokus unserer Ausrichtung – und es ist die Differenzierung zum Wettbewerb. Wir wollen die kleinsten, kompaktesten und leistungsfähigsten Akkus auf dem Markt haben! Wenn man dabei das Thema Handlichkeit und Gewicht bei Akkus anschaut, ist es gerade bei handgeführten Werkzeugen wichtig, einen kompakten und leichten Akku zu besitzen – und den bieten wir.

Was sind neben der Größe und dem Gewicht die Unterscheidungsmerkmale zum Wettbewerb?

Wir unterscheiden uns durch die »CoolPack«-Technologie, auch eingesetzt bei unserem Hochleistungsakku »Eneracer«. Die Ableitung der Wärme erfolgt über einen direkt anliegenden und wärmeleitenden Kunststoff sowie Kühlrippen am Gehäuse. Daraus ergibt sich nicht
nur der kompakteste Akku, sondern
auch eine längere Lebensdauer als bei herkömmlichen Systemen.

Da hilft nur, im Vergleich zu testen. Final die Frage: Wohin geht sonst die Entwicklung?

Gerne sind wir beim Vergleichstest dabei! Wichtig: Wir differenzieren uns nicht über Akkuzellen, sondern über das gesamte System. Perfekte Wärmeableitung bedeutet unterbrechungsfreies Arbeiten, führt zu hoher Produktivität. Ein Akkupack ist ein hochinnovatives Produkt. Beim Einsatz von Hochleistungszellen spielt die Aufbau- und Verbindungstechnik eine elementare Rolle, damit die extremen Ströme geführt werden können, damit höchste Leistung fürs Sägen usw. dauerhaft möglich ist! Schauen wir über den Status quo hinaus: Ich kann nur anteasern, was die nächsten Monate kommen wird – Sie werden staunen. Freuen Sie sich auf den nächsten Sprung nach vorn!


Steckbrief

Die Robert Bosch Power Tools GmbH, Geschäftsbereich der Bosch-Gruppe,
ist ein weltweit führender Anbieter von Elektrowerkzeugen, Elektrowerkzeugzubehör und Messtechnik mit Sitz in Leinfelden. Im Jahr 2016 erwirtschafteten rund 20 000 Mitarbeiter einen Umsatz
von 4,5 Milliarden Euro. Rund ein Drittel
des Umsatzes 2016 erzielte der Geschäftsbereich mit Produkten, die weniger als
zwei Jahre im Markt sind. Auch 2017 wird Bosch Power Tools in seinen vier Kerngeschäftsfeldern in Deutschland wieder mehr als 100 Neuheiten auf den Markt bringen.

www.bosch-pt.com


»Connectivity von Werkzeugen und die Vernetzung von Messtechnik mit Zeichnungstools ist
kein Gimmick, sondern erhöht die Produktivität!«

Henk Becker, Geschäftsführer Bosch Power tools