Wenn der Stein wenig trägt

Was ist zu beachten, wenn Fenster in hochwärmedämmendem, monolithischem Mauerwerk mit geringer Dübeltragfähigkeit befestigt werden? Wolfgang Jehl vom IFT Rosenheim gibt Antworten auf die am häufigsten gestellten Fragen.

Welche Regeln gelten für Fensterbauer bei der Wahl der passenden Befestigungsmittel – auf welche Besonderheiten muss man als Verarbeiter achten?

Gemäß dem Leitfaden zur Montage (Ausgabe März 2014) wird hinsichtlich der Befestigung von Fenstern/Außentüren in Mauerwerk mit geringer Dübeltragfähigkeit eine statische Bemessung empfohlen (Sonderfall 1). Hierzu bietet das IFT-Rosenheim auch eine App (IFT-Befestigungsplaner) zur Unterstützung der Verarbeiter an. Sind die einwirkenden Kräfte ermittelt, kann mit Unterstützung der Befestigungsmittelhersteller das geeignete Befestigungsmittel ausgewählt werden. Hierzu muss das Dübeltragverhalten im konkreten Stein bekannt sein. Die einwirkenden Kräfte können über die Anzahl der Dübel und deren Anordnung ggf. günstiger verteilt werden. Die Verarbeitungsvorgaben für das gewählte Befestigungsmittel sind zwingend zu beachten. Werden besondere Eigenschaften für das Bauelement gefordert, z.B. Einbruchhemmung oder Absturzsicherung, ist vor Ausführung die Machbarkeit zu prüfen und es sind entsprechende Nachweise einzuholen (Sonderfall 2).
Wie schätzen Sie den Trend ein, bei Neubauten energetisch optimierte, aber weniger tragfähige Mauerwerksteine einzusetzen?
Um weiterhin monolithisch mit Ziegelmauerwerk bauen zu können und trotzdem die Anforderungen der EnEV zu erfüllen, wurden die Steine in den letzten Jahren wärmetechnisch optimiert. »Weniger tragfähig« bezieht sich auf die Befestigung von Bauelementen in diesem Mauerwerk und nicht auf die Tragfähigkeit der Wand, insbesondere bei den »Setzpositionen« von Fenstern in der Mauerleibung aufgrund des Lochbildes dieser Steine. Nach unserer Einschätzung wird sich die Verwendung hochwärmedämmender Ziegelsteine erhöhen, insbesondere in Regionen, in denen traditionell monolithisch gebaut wird. Konkrete Zahlen können über die Arge Mauerziegel und den Ziegelverband erfragt werden.
Welche neuen Mauerwerkstypen gibt es und wie wirken sich diese konkret auf die Befestigung von Bauelementen aus?
Es gibt im Wesentlichen zwei Steintypen. Dies sind Steine mit filigranem Lochbild und dünnen Stegen, die teilweise auch mit Dämmstoff gefüllte Hohlräume haben oder Steine mit großvolumigem Lochbild, dickeren Stegen und mit Dämmstoff gefüllten Hohlräumen. Teilweise ist auch das Steinmaterial porosiert. Untersuchungen zur Dübeltragfähigkeit dieser Steine haben gezeigt, dass das Lastniveau gegenüber »herkömmlichen« Steinen um bis zu 60 % reduziert sein kann. Weiterhin müssen die Befestigungsmittel und die Anwendung auf die Lochbilder der Steine abgestimmt sein. In der Regel sind hier deutlich längere Dübel erforderlich. Bohrungen in diesen Steinen müssen zwingend im Drehbohrverfahren mit dem vorgegebenen Bohrerdurchmesser ausgeführt werden, um einen festen Sitz des Dübels im Untergrund zu gewährleisten.
Welche Lösungen bietet der Markt für die Befestigung in diesen Mauerwerkstypen?
Von Seiten der Steinindustrie werden spezielle Laibungssteine mit angepasstem Lochbild und Stegdicken angeboten, die eine deutlich höhere Dübeltragfähigkeit aufweisen, aber nicht zwingend gefordert werden. Daher werden diese Lösungen bislang in der Regel nicht verwendet. Befestigungsmittelhersteller bieten speziell auf diese Steine abgestimmte Befestigungsmittel an. Die verminderte Tragfähigkeit wird zum Teil auch dadurch kompensiert, dass von Seiten der Befestigungsmittelhersteller eine höhere Dübelanzahl empfohlen wird (Verteilung der einwirkenden Flächenlasten aus Winddruck/-sog auf mehrere Befestigungspunkte). Dadurch verringern sich die Befestigungsabstände gegenüber den bisher bekannten 70 cm (bei PVC) bzw. 80 cm (bei Holz, Metall) deutlich. Bei punktuell einwirkenden Lasten (Horizontalkräfte bei öffenbaren Elementen) wird der Einsatz von Zusatzbefestigungen empfohlen.
Welche Tipps geben Sie Fachbetrieben in der Praxis an die Hand?
Die fachgerechte Befestigung sollte ernst genommen werden und die Montagebetriebe müssen sich auf die veränderten Einbaubedingungen einstellen. Die bislang bekannten allgemeinen Regeln der Technik (a.R.d.T.) reichen bei diesen Verankerungsgründen nicht mehr aus, um eine fachgerechte, dauerhafte Befestigung zu gewährleisten. Der Leitfaden zur Montage sowie der IFT-Befestigungsplaner geben dazu Hilfestellung. Zudem sollte auch die konkrete Unterstützung von Seiten der Befestigungsmittelhersteller eingefordert werden. Gegebenenfalls können auch alternative Befestigungsmittel in diesen Mauersteinen, z. B. Maueranker (Dübel mit Lasche), eingesetzt werden, da durch die günstigere Lasteinleitung (Querkraft, keine Biegung) höhere Tragfähigkeiten möglich sind.
Bei besonderen Anforderungen (Einbruchhemmung, Absturzsicherung) sollte die Machbarkeit mit dem Systemgeber und dem Befestigungsmittelhersteller so früh wie möglich – also bereits in der Angebotsphase – geklärt werden.

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Wolfgang Jehl ist am IFT Rosenheim Produktmanager für den Bereich äußere Abschlüsse, Montage, Baukörperanschluss. Er ist Hauptverfasser des Montageleitfadens