Dieter Roxlau war bis zu seinem Ruhestand Ende 2016 Hauptgeschäftsführer des Fachverbandes Tischler NRW

Karriere im Handwerk? Aber Sicher! Ein Einwurf von Dieter Roxlau

Im Augenblick ist ja allerorten von zunehmender Akademisierung bei den Schulabgängern, ja sogar von Akademisierungswahn die Rede: Immer mehr Jugendliche beginnen nach der allgemeinbildenden Schule ein Studium, die Zahl der Absolventen der praktischen Ausbildung gerät massiv ins Hintertreffen: Seit 2013 gibt es mehr Studenten als klassische Azubis! Dies lässt die Sorge wachsen, dass der ohnehin schon befürchtete Mangel an Facharbeitern verschärft wird. Wichtigster Auslöser für diesen Trend: Der Weg zum Abitur wird zunehmend zur »Normalentwicklung«, (der Anteil der Abiturienten liegt inzwischen bereits bei 41 %) – und von dort ist der Sprung zum Studium und damit zu einer erhofften erfolgreichen Lebensplanung nicht mehr weit. Dahinter steckt die Erwartung, dass die akademische Ausbildung im Vergleich zur beruflichen Ausbildung signifikant bessere Erwerbs- und Einkommensperspektiven bietet.

Aber kann diese Rechnung langfristig aufgehen? In diesem Zusammenhang ist eine Studie interessant, die vor Kurzem vom Institut der Deutschen Wirtschaft vorgelegt wurde: Demnach wird die berufliche Ausbildung, vor allem in Kombination mit einer Fortbildung, deutlich unterschätzt: Absolventen von beruflicher Fortbildung sind seltener arbeitslos, häufiger in Führungsverantwortung und mindestens genauso zufrieden wie die akademischen Kollegen. Und auch bei den Verdienstmöglichkeiten können ambitionierte Fortbildungs-Absolventen eindeutig mithalten. Ganz offenkundig hat sich diese Botschaft aber noch nicht herumgesprochen. Höchste Zeit, das Thema »Karriere im Handwerk« verstärkt auf die Tagesordnung zu setzen – und zwar sowohl in der Nachwuchswerbung als auch in der inhaltlichen Gestaltung und Ausprägung von Karrierewegen im Handwerk. Auch da ist noch Luft nach oben!
Das jedenfalls meint Dieter Roxlau