Serie: Digitale Produktion im Holzhandwerk, Auftakt

Ist Ihre Arbeitsvorbereitung fit für morgen?

Die Digitalisierung macht auch vor der Tischlerei nicht halt. Sie bietet die Chance, auch noch morgen mithalten zu können, sagt Unternehmensberater Markus Faust. Seine Beitragsreihe soll helfen, die Arbeitsvorbereitung zu optimieren. Folge 1: Die Bestimmung des Handlungsbedarfs.

Markus Faust, AV-Line, Traunstein

Wer kennt sie nicht? Die neuzeitlichen Wörter wie Industrie 4.0, Smart Factory, vernetzte Fertigung, Digitalisierung oder Virtualisierung. Irgendwie sind die Begriffe jedem bekannt und geläufig. Den meisten ist zumindest unbewusst klar, dass dies der Weg der Zukunft sein wird, in der das 3D-CAD-System als wichtiger zentraler Knotenpunkt dient.
Die Realität sieht jedoch leider häufig anders aus. Viele haben bereits versucht, diesen Wandel mitzugehen. Haben oftmals erfolglos daran gearbeitet moderne CAD-Systeme und ERP-Systeme zu integrieren und dabei gefühlt schon viele Tausend Euro verbraten. Sie haben es gut gemeint und haben motiviert den Schritt in diese neue Richtung gewagt, doch sind letztlich gescheitert und unsanft auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt.
Bevor Sie jetzt den Bericht zur Seite legen und sagen, das Thema ist sowieso nichts für mich, das bringt bei mir eh nichts, geben Sie uns bitte fünf Minuten. Ich werde Ihnen zeigen, weshalb dieses Thema für Sie, für das Handwerk, für unsere Schreiner mehr denn je von richtungsweisender Bedeutung ist. Sie erfahren, warum so viele CAD/CAM-Integrationen extrem mühsam verlaufen oder sogar scheitern. Sie bekommen einen objektiven Einblick auf Ihr Unternehmen und erfahren ganz genau, was notwendig ist, um diesen Wandel erfolgreich zu meistern, damit Sie auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben.
Mehr als nur technischer Wandel
Industrie 4.0 klingt sehr komplex. Ganz ehrlich: Das ist es auch! Es geht nämlich nicht nur um einen technischen Wandel. Es geht entschieden weiter. Der Schreiner als solches muss sich neu erfinden. Sie fragen sich jetzt vielleicht: Schon klar, aber wohin? Eine der größten Veränderungen ist die Verschiebung der Wertschöpfung. Bisher war Arbeitsvorbereitung, wie der Name schon sagt, die Vorbereitung auf die Arbeit. Anschließend führte die Fertigung die Arbeit aus. Im Zuge der digitalen Vernetzung ist es wichtig zu erkennen, dass wir in diesem Wandel an einen Punkt kommen, an dem das Bauteil digital vollumfänglich beschrieben ist, mit all seinen Einzelheiten. Der Informationsträger ist dabei immer das 3D-Modell. Das virtuell gefertigte Bauteil erhält dadurch einen sehr hohen wertschöpfenden Anteil.
Die Wertschöpfung erfolgt im Büro
Wir sprechen nicht mehr von einer Arbeitsvorbereitung, sondern von einer digitalen Fertigung. Durch die digital vernetzten Prozesse können wir jeden Prozess bereits virtuell durchspielen und durchleuchten. Wir können virtuelle Bauteile und Einbausituationen erleben, ohne dass es dafür Material oder Maschine bedarf. Wir setzen uns 3D-Brillen auf und können uns durch Räume bewegen, Schubladen öffnen und das Produkt erleben, obwohl es nur virtuell existiert. Wir können Werbung machen, wir können die komplette Fertigung simulieren, CNC-Zeiten errechnen, ja sogar Auslastungen und Engpässe prognostizieren. Abläufe werden schneller und flexibler, die Lager schrumpfen, Ressourcen werden gespart – die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. All das ist möglich, weil das Bauteil bereits vollumfänglich beschrieben ist. Die Fertigung ist nicht länger die »Fertigung«, sondern nur noch die »Realisierung« eines digitalen Produktes. Ähnlich wie bei einem digital geschriebenen Brief. Die Leistung steckt bereits in der Datei. Den Brief auszudrucken ist nur noch der Übergang von digital zu real.
Gemein an diesem Wandel ist, dass dieser nur schwer ersichtlich ist. Insbesondere dann, wenn wir unseren Vergleichshorizont sehr kurz ansetzen. Es wird häufig überschätzt, was sich in einem Jahr verändert, aber unterschätzt was sich in fünf bis zehn Jahren ändert. Es ist ein schleichender Prozess, der Jahr für Jahr in ganz kleinen Schritten dafür sorgt, dass wir kontinuierlich den Anschluss zu unseren Mitbewerbern verlieren. Das ist ähnlich wie mit der Inflation. Diese frisst ebenfalls Jahr für Jahr, scheinbar unauffällig, unser Kapital zusammen.
Geht es konkret darum, den Wandel anzugehen, fallen immer wieder Sätze wie: »Das haben wir schon immer so gemacht!«, »Wir kommen mit unserer Lösung ganz gut klar!« oder »Wir brauchen so etwas nicht!«. Solche Aussagen sind tödlich. Es ist noch keine 15 Jahre her, als viele von uns glaubten, dass sich das Internet nicht durchsetzen wird und Firmen wie YouTube und Facebook gegründet wurden. Spätestens wenn Ihre Auftragsbücher voll sind, Sie hohe Umsätze machen, aber Ihre Rentabilität Jahr für Jahr geringer wird, spätestens dann ist Alarmstufe Rot!
Ich möchte nicht behaupten, dass Sie den Wandel mitmachen müssen. Mit Sicherheit wird es Unternehmen geben, die der Veränderung trotzen und weiterhin, ihre Position am Markt vertreten können. Die Statistik haben sie dabei jedenfalls nicht auf ihrer Seite.
Aus der Komfortzone heraus
Veränderung ist stets mit Unsicherheit und Trennung verbunden. Einfache Dinge fallen anfangs schwer und neue Tätigkeiten fühlen sich unrund an. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müssen Sie aus Ihrer Komfortzone raus. Sie müssen in Richtung Industrie 4.0 gehen. Nach dem Motto: Lieber höchstwahrscheinlich erfolgreich, als sicher erfolglos!
Die große Herausforderung dabei ist, dass wir zum Thema Digitalisierung mit Informationen regelrecht überschüttet werden. Wir erleben eine Reizüberflutung an neuen Technologien, Softwarelösungen und Namenskürzeln. Dies löst in uns eher Angst und Distanz aus, als Motivation und Zuversicht. Nicht nur die Werkzeuge müssen auf den Menschen, sondern auch der Mensch auf die Werkzeuge vorbereitet werden. Das ist einer der Hauptgründe, warum digitale Fertigungsprozesse häufig scheitern. Die besten Werkzeuge zur Hand zu haben wird nichts nützen, wenn der Mensch nicht offen ist und bereit ist, sich und seinen Arbeitsplatz ein Stück weit neu zu erfinden. Neue Werkzeuge bei gleichbleibenden Prozessen sind zum Scheitern verurteilt. Sie sehen, um eine erfolgreiche Umsetzung zu erreichen, brauchen wir zuallererst die Erkenntnis, dass es um weit mehr geht als nur um die Software. Die CAD- und ERP-Systeme sind in diesem Wandel immer nur Diener niemals Führer.
Bestimmen Sie Ihren Standort
Bevor wir in der nächsten Folge der Serie uns mit den Zielen und der Vision auseinandersetzen, brauchen wir zuallererst die aktuelle Situation unseres Unternehmens vor Augen. Ähnlich wie bei einem Navigationssystem, brauchen Sie immer Ziel und Standort um den Weg definieren zu können.
Für diese Standortbestimmung bekommen Sie ein wunderbares, einfaches, schlichtes Werkzeug zur Hand. Unter www.av-line-consulting.de können Sie es kostenlos herunterladen. Über ein einfaches Notensystem wird Ihnen damit ganz klar vor Augen geführt, wie weit Sie derzeit dem Markt voraus sind, bzw. der Markt Ihnen. Sie sehen Ihr Unternehmen wie es ist – nicht besser, nicht schlechter. Sie werden sofort Ihre drei größten Flaschenhälse in Ihrem Unternehmen identifizieren und wissen, wie Sie ihnen entgegenwirken können.
Mit dem Ergebnis haben Sie die Voraussetzung für den nächsten Schritt geschaffen. Sie wissen zum einen, wo Sie gerade stehen und bekommen zum zweiten ein klares Gefühl, wo Veränderungen notwendig sind. Die größte Gefahr besteht schlicht darin, dass Ihnen überhaupt nicht bewusst ist, dass Sie ein Problem haben. Die Basis dieser Analyse sind sechs Leistungsfelder, in der jedes Feld isoliert für sich wichtig ist und innerhalb dieser Serie jeweils mit einem gesonderten Bericht gestützt wird. Das sind
  • der Mensch – das Team
  • die Information, der Werkstoff der Digitalisierung
  • die Methodik, Dinge anzugehen
  • die Ergebnisse, die als Fieberthermometer für unsere Unternehmen dienen
  • die Applikationen, sprich die Werkzeuge (CAD/CAM)
  • und eine Vision, ein Plan, wo wir hinwollen
Wichtig an dieser Stelle ist das Wort Emergenz. Sie fragen sich jetzt bestimmt: Was ist Emergenz? Die Erklärung im Lexikon lautet: »Die Emergenz ist die Herausbildung von neuen Eigenschaften oder Strukturen eines Systems infolge des Zusammenspiels seiner Elemente.« Einfach gesagt: Sie sollten nicht einzelne Leistungsfelder in Perfektion umsetzen und andere vernachlässigen, sondern wichtiger ist, dass Sie alle Felder gleich bedienen. Selbstverständlich ist es wichtig, dass wir sauber arbeiten. Doch viel wichtiger ist, dass wir uns mit allen Themenfeldern befassen. Perfektion an dieser Stelle lähmt! Das Thema Emergenz hat einen Synergieeffekt. 1 + 1 + 1 ist nicht 3, sondern 5! Berücksichtigen Sie stets alle sechs Bereiche gleichermaßen. Ähnlich wie in der Schule sind sechs Dreier besser als vier Einser und zwei Fünfer.
Handeln Sie
Überall da wo Sie Note 5 und 6 haben, heißt das – sofort handeln! Note 3 und 4 heißt, machen Sie sich einen Plan, priorisieren Sie und kommen Sie auch dort ins Handeln. Note 1 und 2 bedeutet, Sie können sich in diesem Bereich zunächst einmal zurücklehnen. Es reicht, wenn Sie diese Themen im Auge behalten. Befassen Sie sich erst mit den schlechten Noten. Machen Sie aus keiner Note 2 eine 1. Packen Sie lieber erst die Noten 4, 5 und 6 an.
Aber das Wichtigste ist, überhaupt ins Handeln zu kommen, nach dem Motto: Lieber fehlerhaft beginnen, als perfekt zu zögern. Diese Beitragsserie kann nur eins: Wachrütteln, sensibilisieren und motivieren. Nehmen Sie sich 30 Minuten Zeit und machen Sie die Analyse! Entweder Sie stellen fest, dass bei Ihnen alles perfekt passt, oder Sie bekommen ganz klar aufgezeigt, wo der Schuh drückt und Handlungsbedarf besteht.
Im nächsten Bericht geht es um das Thema Vision & Ziele. Sie werden erleben, was dieses Thema mit einer Fußgängerzone zu tun hat und wie Sie dadurch zukünftig extrem an Effektivität gewinnen werden.

30-Minuten-Selbsttest
Wo stehe ich mit meiner Arbeitsvorbereitung und meinem Betrieb derzeit? Wo ist Handeln angesagt? Antwort gibt ein 30-Minuten-Selbsttest. AV-Line stellt diesen für die Leser dieses Beitrags auf Ihrer Homepage zum Download zur Verfügung: www.av-line-consulting.de
Die folgenden Teile dieser Serie beleuchten die einzelnen, möglicherweise vom Test benannten Handlungsfelder.

AV-Line Consulting: aus der Praxis für die Praxis

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Im Jahr 2009 gründete Dipl.-Ing. Markus Faust in Traunstein sein Beratungsunternehmen AV-Line. Für Tischler, Schreiner und Innenausbauer entwickelt es Konzepte, wie sie aus ihren fertigungsvorbereitenden Prozessen das Maximale herauszuholen können. Das zehnköpfige Ingenieurteam mit langjähriger Erfahrung in den Bereichen Innenausbau und Arbeitsvorbereitung erarbeitet praxiserprobte Lösungen zur Steigerung der Flexibilität, der Qualität und der Umsatzrendite. Zum Programm gehören: die Auswahl eines CAD/CAM-Systems, schlüsselfertige Einführungskonzepte für CAD/CAM-Lösungen, ein ganzheitliches AV-Coaching sowie eine externe Schreiner-AV.
AV-Line Consulting, 83278 TraunsteinTel.: (08662) 13790-00 www.av-line-consulting.de