Zwölf Tage bis zum Lack

Studierende im vierten Semster Innenarchitektur hatten im Fach Möbelkonstruktion zwölf Nachmittage Zeit, ihr erstes Stück aus dem Nichts zu schaffen: einen Sekretär mit Schublade sowie Tür oder Klappe. Tatort: Burg Giebichenstein.

Es ging weder um neues Design, noch um Möbel nach Regeln der Schreinerkunst: Die Studierenden von Klaus Michel sollten sich an der Kunsthochschule Halle mit Materialien und Beschlägen auseinandersetzen. Da es sich bis auf eine Ausnahme nicht um Schreiner handelte, erweiterte sich das Erfahrungsfeld auch auf das Machen an sich – die Werkstattleiter verstehen sich als Entwicklungshelfer und nehmen den Studierenden folglich ihre Werkstücke nicht aus der Hand. Das sind die besten Voraussetzungen für einen Feldversuch ganz anderer Art: Für uns interessant an der Sache ist nämlich, wie gestalterisch ambitionierte Menschen ein Thema aus dem Möbelbau ergreifen, ohne schon in den echten und vermeintlichen Grenzen des Gewerks zu denken. Der Sekretär ist nah am Alltag angesiedelt: Jeder hat Kram zu verräumen, notiert etwas mal in sitzender Haltung, mal im Stehen, lässt Dinge auf dem Schreibtisch liegen oder auch nicht. Die Ergebnisse greifen daher zum Teil auf Vorbilder zurück und passen sie den eigenen Bedürfnissen an, wagen aber vereinzelt auch den Versuch einer Neuschöpfung. Ahnungslosigkeit kann die größte Hilfe sein, wenn etwas Neues entstehen soll. Das war zwar hier gar nicht der Anspruch, für uns aber ein Nebeneffekt der Fingerübung – wie man handwerklich qualitätvolle Möbel baut, wissen wir ja schon. JN