Innenausbau eines 1920er-Jahre-Wohnhauses

Vom Firmensitz in Herrenberg zog es Markus Benz, Chef der Möbelmarke Walter Knoll, in die Halbhöhenlage von Stuttgart. Im dortigen Talkessel hatte die Firmengeschichte 1865 begonnen. Ein 1920er-Wohnhaus bekam einen unverwechselbaren Innenausbau und wird zur Bühne für Klassiker und Ikonen der Walter-Knoll-Kollektion.

Mit meisterhaftem Handwerk, wertigen Materialien und einer Ästhetik von bleibender Gültigkeit wurde Walter Knoll zu einer Möbelmarke der Moderne. Der Urvater der Knoll-Dynastie, Wilhelm Knoll, begann vor über 150 Jahren mit einem Ledergeschäft. Kontinuierlich entwickelte sich das Unternehmen über die Jahrzehnte, setzte Zeichen in der Designgeschichte, schuf Klassiker und Ikonen der Avantgarde.

Markus Benz, der heutige Firmenchef, und seine Frau Susanne suchten in Stuttgart nach einem Ort, an dem sie ihren Geschäftspartnern einen alternativen Treffpunkt zum 40 km entfernten Firmensitz in Herrenberg am Schwarzwaldrand anbieten und gleichzeitig auch wohnen konnten. Gefunden hat die Familie diesen Ort am Kräherwald, einer beliebten Lage oberhalb der Stadt, wo sie eines der für die 1920er-Jahre typischen Kaffeemühlenhäuser bezogen. Da das Haus zuvor als Arztpraxis diente, sollte der Grundriss im Sinne der ursprünglichen Funktion und mit Respekt vor seiner Substanz und Geschichte wiederhergestellt werden.
Eine Identität herausarbeiten
Die Aufgabe den Innenausbau zu planen bekamen Peter Ippolito und Gunter Fleitz vom Stuttgarter Studio Ippolito Fleitz Group, die als Architekten die »Identität« Ihrer Kunden oder der gesetzten Marke herausarbeiten und umsetzen. Es galt ein Wohnumfeld zu schaffen, das dem hohen ästhetischen Anspruch der Familie gerecht wird und einen Rahmen für ihre Kunstsammlung bietet. Zum anderen sollten die Produkte von Walter Knoll in einem authentischen Kontext jenseits von Showroom-Präsentation wirken können. Die drei Etagen wurden in einen öffentlich‐repräsentativen Bereich im Erdgeschoss sowie den privaten Wohnbereich in den beiden oberen Geschossen aufgeteilt.
Herzstück des Wohnbereichs in den oberen Ebenen ist ein großzügiger, L‐förmiger Raum, der als Wohn- und Essbereich dient. Den Wänden zum Treppenhaus wurden zu beiden Seiten Vorsatzschalen mit Einbauten für Stauraum vorgesetzt. Ihre Verkleidung ist in einem matten Grünton lackiert. An den Türöffnungen, deren Schiebetüren wie Wände wirken, ist die Verkleidung tief ausgespart. Vor dem Esstisch geht der Türeinschnitt in eine Regalnische über, während der vor der Couch einen Flachbildschirm aufnimmt.
Zwei in kräftigem Orange lackierte Säulen setzen starke Farbakzente, während das dunkel gebeizte Ahornparkett dem Raum eine ruhige Basis verleiht. Dem eher dezenten Boden steht eine dreidimensionale, facettierte Decke entgegen. Ausgehend vom Schnittpunkt der inneren Wände faltet diese sich polygonal über den gesamten Raum. Die dreieckigen Formen sind in verschiedenen Graunuancen gestrichen und betonen die Faltung zusätzlich. Die Formen werden durch polygonale Spiegelscheiben und Einschnitte an den Stirnwänden des Raumes wieder aufgegriffen. Auch hier stammen die Möbel fast vollständig aus der Walter‐Knoll‐Kollektion. Design kontrastiert hier mit künstlerischen Positionen aus der Möbelwelt. So ist die Tischplatte des langen Esstischs ein Unikat: Ein persisches Textil wurde in eingefärbtes Epoxidharz gegossen; an den Seiten hängen noch gewobene Stoffteile aus der Platte.
Das Erdgeschoss dient dem freundschaftlichen Kontakt zu Kunden. Den Eingangsbereich bildet ein tief lilafarbener Flur, von dem aus alle Räume erreichbar sind. Die Wände des Besprechungszimmers sind taubengrau. Die pigmentreiche Farbe verleiht ihnen eine besondere Tiefenwirkung. Darüber abgesetzt ist ein breites Band in einer seidig glänzenden Metallfarbe, die auch für die Decke verwendet wird. Ecken und Kanten der Wände sind in sanften Schwüngen ausgeführt, was dem Raum eine weiche, sinnliche Ausstrahlung gibt. Ein großer runder Tisch steht auf einem hochflorigen Teppich. Durch eine verspiegelte Verbindungswand geht es in das Arbeitszimmer.
Markante Farben und Formen
Das Thema Farbe wird hier mit einem frischeren und intensiveren Blau fortgesetzt. Im Zentrum des Raums steht der auf einer Scheibe und einem Sideboard ruhende Walter-Knoll-Kommunikationstisch »Keypiece« mit seiner softgeformten Arbeitsplatte.
Die »Cigar Lounge« im halböffentlichen Erdgeschoss, ist der Raum für Gespräche in entspannter Atmosphäre. Alle Wände und Regale sind in einem dunklen Graphitton gehalten, dem die Decke einen kräftigen Senfton entgegensetzt. Die an den Übergängen geschwungenen Wände bilden vor den Fenstern Nischen. Halbdurchlässige Netzgardinen vor den Fenstern betonen die intime Atmosphäre. Das Produktensemble aus Couch, Tischen, Sesseln und Seidenteppich wird von einer extravaganten Bronzeringlampe begleitet, die an eine Stimmgabel erinnert. Kunstobjekte der Aborigines aus der Sammlung des Hausherrn ergänzen die Raumstimmung. Das Haus Benz ist eine Wohnung und kein Showroom. Vielmehr zeigt sich die Produktwelt und die Marke der Eigentümer hier in einem Kontext, der für die Personen und die Familie Benz steht: eine mit Kunst angefüllte, lebendige und sehr persönliche Wohnung. Eine Synthese, die durch eine form‐ und farbintensive Rauminszenierung geschärft wird. Im Haus Benz finden die Werte der Möbelmarke Walter Knoll, die für hochwertige Materialien und höchste Qualitätsansprüche steht, und die atmosphärisch-ästhetischen Ansprüche der Privatpersonen eine Balance. -HN

Walter Knoll

Ach So!

Das Unternehmen schuf Klassiker und Ikonen der Avantgarde und gilt als Möbelmarke der Moderne. Die Geschichte der Familie Knoll begann 1865 in Stuttgart.www.walterknoll.de

Steckbrief

Entwurf: Ippolito Fleitz Group – ein multidisziplinäres, international tätiges Studio für Gestaltung. Das Team aus Designern und Architekten entwickelt mit seinen Kunden Unverwechselbares. www.ifgroup.org
Auftraggeber: Susanne und Markus Benz,www.walterknoll.de