Gegen das Vergessen

Bei der Einrichtung des St. Augustinus Memory-Zentrums für die Betreuung demenzkranker Menschen gingen die Planer neue Wege. Mit am Planungstisch: die Objektberater von Häfele.

In Deutschland sind 1,4 Millionen Menschen von Demenz betroffen. Sie brauchen, den Stadien ihrer Erkrankung entsprechend, angepasste Unterstützung und Förderung. Im St. Augustinus Memory-Zentrum Neuss wurden dafür moderne Konzepte umgesetzt, die den eingeschränkten Lebenswelten der Bewohner Rechnung tragen.

Die Wohngruppen sind zur besseren Orientierung in unterschiedlichen Farben gestaltet. Zugunsten eines höheren Wiedererkennungswertes sind die Zimmer und ihre Zugänge in den drei unterschiedlichen Stilen »Modern«, »Landhaus« und »Gediegen« gestaltet. Sechs davon können über Raumtrennsysteme zu großzügigen Doppelzimmern verbunden werden. Die Wandflächen wurden besonders kontrastreich gestaltet, was den Bewohnern hilft, sich im Raum sicher zu bewegen und zurechtzufinden. Die Fußböden sind hingegen einfarbig, da hier Kontraste als Barrieren wahrgenommen werden.
Studenten der Fachrichtung Kommunikationsdesign an der Hochschule Düsseldorf gestalteten die Erker an den Fluren und in den Wohngruppen zu Erinnerungskabinetten. Sie dienen der Interaktion, dem gemeinsamen Erleben und Erinnern und animieren zur Bewegung. Auch an anderen Stellen im Haus sind in vielen kleinen Details »Memory-Objekte« installiert: So laden die Erinnerungs-Schaufenster in der Tagesklinik die Bewohner zum Bummel ein. Im Café ist der Fußboden mit Fliesen in historischen Mustern belegt und in Setzkastenregalen auf den Wohnfluren können persönliche Dinge und Fotos aufbewahrt werden. Auch die Dachterrassen sind thematisch angelegt: Ein »Nordseestrand« nimmt Bezug auf Urlaubserlebnisse, der »Nutzgarten« mit Hochbeeten und Feuerstelle erinnert an den eigenen Garten.
Orientierungsschwierigkeiten und ein erhöhter Bewegungsdrang können bei Menschen mit Demenz dazu führen, dass sie das Haus verlassen und nicht mehr zurückfinden. Für Architekten und Betreiber war der Spagat, ein grundsätzlich offenes Haus zu planen, den Bewohnern aber dennoch die nötige Sicherheit bieten zu müssen, nicht einfach.
Als ideal für diese Aufgabe erwies sich das elektronische Identifikations- und Schließsystem »Dialock«. Vom Haupteingang über die Büros und Versorgungsräume bis hin zur privaten Wohnungstür besteht die Zutrittskontrolle aus einer Kombination von mechanischer und elektronischer Schließanlage.
Die Zylinder an den Wohnungstüren sind bewusst sichtbar ausgestattet, damit die Bewohner gemäß des im Haus praktizierten erinnerungsorientierten Ansatzes Tür und Schloss als solche wiedererkennen und mit einem herkömmlichen Schlüssel nutzen können.
Das Personal hingegen nutzt Key Cards und Key Tags um die Türen berührungslos über passive Transpondertechnologie zu öffnen oder zu verriegeln: Ein Transponder kommuniziert dabei über RFID (Funk) mit den Tür- bzw. Wandterminals, die an allen hochfrequentierten Türen angebracht sind. Der Transponder benötigt keine eigene Stromversorgung: er bezieht seine Energie zur Kommunikation aus dem Magnetfeld der Terminals. Damit ist das System günstig und fast wartungsfrei. Die Notöffnung erfolgt über mechanische Schlüssel. Auch Möbel und Einbauten können mit Key Card oder Key Tag gesichert werden. Alle Schließ- und Öffnungsvorgänge sind protokollierbar. Ein elektronisches Überwachungssystem erfasst ortungsgenau jeden Raum und leitet die Ergebnisse an die Verantwortlichen weiter, damit keine Person verloren geht.
Für die Architekten von Esser Coenen Forsch und Partner war die Realisierung einer so komplexen Einrichtung wie des Memory-Zentrums ein absolutes Novum. Die verschiedenen Wohn- und Betreungsbereiche mussten mit Ambulanz, Beratung, Schulung, Tagesklinik und Café, räumlich verknüpft werden, ohne die kleinteilige Struktur zu zerstören, die den eingeschränkten Lebenswelten der Bewohner Rechnung trägt. Die regelmäßige Abstimmung der Planungen bezog die Bedürfnisse aller Nutzergruppen ein. Das reichte von grundsätzlichen Fragen bis hin zur Entwicklung eines Möbelkonzeptes, das gemeinsam mit der Wigger Innenausbau GmbH aus Wilsum umgesetzt wurde. Auch Objektberater von Häfele waren von Anfang an am Planungstisch mit dabei. Das Nagolder Unternehmen konnte viele maßgeschneiderte Lösungen anbieten: Angefangen bei der Identifikations- und Schließtechnik Dialock für Türen und Möbel, über die mobilen Trennwandsysteme Slido Wall für multiflexible Räume und das Schiebetürsystem Woodflex 80 für Stauraum- und Einbauschranklösungen bis hin zu Tresoren, Kühlschränken und LED-Lichtlösungen im Möbel.
Häfele GmbH & Co. KG
72192 Nagold
Tel.: (07352) 95-0 www.haefele.de

Steckbrief

St. Augustinus Memory-Zentrum
Architektur/Innenarchitektur: Esser Coenen Forsch & Partner, Aachen
Möbelkonzepte: in Zusammenarbeit mit Wigger Innenausbau GmbH, Wilsum
Elektron. Schließsystem: »Dialock« von Häfele (Türterminals DT 400, DT 600, WT 100, Profilzylinder DT 510, Buchungsleser Integra, Möbelschlösser LL100 und EFL3)
Bau-/Möbelbeschläge: Häfele (u.a. mech. Schließanlage CES, Trennwandanlagen Slido Wall, Schiebetüren, Lichtsystem Loox, Bänder, Griffe, Tresore, Kühlschränke www.haefele.de