Neubau Kita in Altötting

Eine Bühne für Kinder

Schlicht, elegant und originell sind die Holzeinbauten in der Kita St. Josef im bayerischen Altötting, die schon von den Allerjüngsten erobert werden können: In den Fichtenholzmöbeln, die auch als Stauraum dienen, dürfen die Kinder spielen, klettern und sogar schlafen.

Im schmalen Innenhof zwischen Pfarrheim und Grundschule war aus Brandschutzgründen kein Anbau an den bestehenden Kindergarten möglich. So kam die zweigruppige Kinderkrippe zu einem eigenen Gebäude mit Satteldach. In den Gruppenräumen, die jeweils einen direkten Zugang zum Garten haben, sorgen der offene Dachraum und die farbigen Fensterboxen, die wie Erker den Raum erweitern, für Geborgenheit und gleichzeitig für räumliche Weite. Dort sitzen auf dem beheizten Boden des Erkers oft Kinder und betrachten durch große Glasscheiben das Geschehen in Garten und Innenhof.

Als Material für die von den Architekten entworfenen Einbauten verwendete der Schreiner Fichte-Dreischichtplatten. Die Oberflächen sind warm und weich, die Kanten müssen nur geschliffen werden. Der Werkstoff ist kostengünstig – ein wichtiger Aspekt angesichts des knappen Budgets. Die zart weiß gebeizten Oberflächen lassen die Holzstruktur erkennen, und ein matter Lack sorgt dafür, dass sie nicht vergilben und sich abwischen lassen. Die meisten Elemente wurden erst vor Ort montiert, um sie genau einpassen zu können. Schattenfugen sorgen für einen optisch ansprechenden Übergang zur Wand.
Garderoben mit Logenplatz
Entlang der Flure verlaufen maßgefertigte Garderoben, die in Wandnischen eingepasst sind, damit keine Ecken und Kanten überstehen, an denen sich die Kinder stoßen könnten. Die Sitzbänke erweitern sich unter den Fenstern. Hier können die Eltern bequem sitzen und den Kindern beim An- und Auskleiden helfen, was gerade in einer Krippe wichtig ist. Die Kinder wiederum können am Fenster sitzend das Geschehen vor dem Eingang beobachten. Auch die Ästhetik kommt bei den Garderoben nicht zu kurz: Die Klappen zum Öffnen der Eigentumsfächer dienen zugleich als Abdeckblende und verdecken auf elegante Weise die Garderobenhaken.
Kletterparadies für die Jüngsten
Galerien bieten Kindern immer herrliche Spielmöglichkeiten und zugleich einen Perspektivenwechsel. Normalerweise eher in Kindergärten zu finden, sind sie in einer Krippe, abgestimmt auf die Bedürfnisse von 1– bis 3-jährigen Kindern, ein wahrer Glücksfall. In dieser Krippe wurden die mit fünf Stufen und einem Zwischenpodest versehenen Spielgalerien in beiden Gruppenräumen auf einer Länge von 3,8 m zwischen zwei unterschiedlich tiefe Wandabschnitte eingepasst. Als Absturzsicherung und Stauraum dient ein teilweise bis zum Boden reichendes, vorne offenes Regal, hinter dem sich die Kinder oben wie unten verstecken können. Manche Fächer haben eine Rückwand aus Sperrholz, manche aus Plexiglas. Im unteren Bereich wurde bei manchen Fächern auf eine Rückwand bewusst verzichtet, damit die Kinder hindurchkrabbeln und die Fächer auch als Bühne für Kasperltheater und andere Aufführungen nutzen können. Die Spielgalerie wurde so zu einem multifunktionalen Möbel: Bücherregal, Bühne, Aussichtsturm und Kuschelecke in einem.
Schlafen wie in einer Höhle
Im Schlafraum bietet ein raumhoher Einbauschrank Stauraum für die Matratzen und gleichzeitig Spielraum für die Kinder: Im unteren Bereich fräste der Schreiner an mehreren Stellen die Vorderseite aus und leimte auf Rückwand und Bodenplatte 0,8 mm starke, farbige Resopal-Platten, auf die die Matratzen gelegt werden. So entstanden, zusätzlich zu kleinen Betten im Raum, bunte Schlafnischen mit einem höhlenartigen Einstieg, in die sich die Kinder auch außerhalb der Schlafenszeiten gerne zurückziehen.
Der Clou bei der Individualfertigung: Die Schreinermöbel waren sogar um rund 15 Prozent preiswerter als vergleichbare Möbel von der Stange.

Bettina Rühm, Dipl.-Ing. Architektur und Fachautorin aus München, berichtet für dds über interessante Projekte. In der dds-Februarausgabe hatten wir ihr Buch »Neue Kindergärten, Krippen, Horte« vorgestellt.

Steckbrief

Entwurf und Werkplanung: Studio lot, Altötting, München
Bauherr und Träger: Kirchengemeinde St. Joseph, Altötting
Innenausbau und Schreinerarbeiten: Schreinerei Baier, Vilsbiburg www.baier-schreinerei.de