Neues Bad in altem Haus

Ein Mini-Bad unterm Dach

Auf nicht einmal fünf Quadratmetern soll im Dachstuhl eines alten Bauernhauses ein neues Bad entstehen. dds-Autor Peter Gahr beschreibt, mit welchen Tricks er aus einem Problemfall ein überaus ansehnliches Refugium gezaubert hat.

Zugegeben, nicht jede Kundenanfrage löst spontane Begeisterung aus. Jedenfalls nicht, wenn es sich um einen extrem ökologisch orientierten Hausherrn handelt, der ausgebaute Dachflächenfenster zwanzig Jahre einlagert, im Glauben an eine sinnvolle Wiederverwertung. Das neue Bad, ein Recyclingprojekt?

Es spricht für den Bauherrn, dass über Wiederverwertung, Neuanschaffung und Nachhaltigkeit offen diskutiert werden konnte und letztendlich auch vernünftige Entscheidungen fielen. Es entstand eine kleine Badzelle, die in Ausführung und Gestaltung ihren eigenen Gesetzen folgt und sich so komplett vom architektonischen Umfeld absetzt.

Die Preisfrage

Am Anfang solcher Projekte steht meist: »Ich brauche dies und das, mit wie viel muss ich rechnen?« So auch hier. Letztendlich ist man jedoch gut beraten, sich erst einmal bedeckt zu halten. Bäder sind eine technische Gebäudeinstallation, in der Regel teurer als vom Bauherrn befürchtet, und: Ein kleines Bad ist nicht wesentlich kostengünstiger als ein großes!

Einbauten im Bestand sind ein besonderes Thema. Hier gab es einige knifflige Aufgaben zu lösen. Dreh- und Angelpunkt war die Führung der Abwasserleitung. Eine Verlegung nach unten war nicht möglich. Das Bad sitzt mittig im Gebäude, die Fallleitung an der Giebelfassade. Gut 26 cm Aufbauhöhe in der Bodendämmung wären erforderlich gewesen, um die erforderlichen zwei Prozent Gefälle zu erreichen.

Letztendlich blieb nur die Möglichkeit, alles über eine Hebeanlage nach oben zu pumpen, die Leitung unterhalb des Firsts auf die andere Seite des Gebäudes zu verlegen und dann im nicht ausgebauten Dachboden zur Abwasserleitung zu führen. Innerhalb der Dachdämmung sowie des nicht ausgebauten Dachgeschosses planten wir eine Begleitheizung, um ein Einfrieren der Abwasserleitung im Winter zu verhindern.

Wie gesagt: Schnelle Preisauskünfte sind bei solchen Projekten gefährlich. All diese Punkte vernünftig argumentiert, kommt man jedoch bei der Preisverhandlung schnell zu einem sauberen Ergebnis.

Klein und dennoch groß

Auf einer Fläche von knapp 4,8 m2 sollten untergebracht werden: Waschtisch, WC und Dusche. Diese Vorgabe entspricht mehr einer ICE-Ausstattung, denn einem Wohnhaus. Dass es dennoch gelang, Waschbecken, Dusche und WC nicht wie auf einer Hühnerstange eng nebeneinander zu platzieren, ermöglichte ein Sonderbaustein aus den »Kompakt-Elementen« von Missel. Diese Serie wurde speziell für Kleinstbäder entwickelt und bietet mit dem Kompakt-Spülrohr »MSR« ein Komplett-Vorwandsystem für die Montage einer WC-Garnitur über Eck an. Die seitlich erforderlichen Abstandsflächen verringern sich deutlich und mit der 30° Grad-Variante gelang es, das WC vor der Dusche zu platzieren. Hierdurch blieb mehr Raum für den Waschtisch, dem so seitlich eine Ablagefläche zugeordnet werden konnte.

Dem Möbel die Luft rauslassen

Eigentlich stören Zweckmöbel – und als solche muss man ein Badmöbel bezeichnen – immer die Ästhetik eines Raumes. Bei diesem Projekt jedoch bot eine anfängliche Schwachstelle im Grundriss die Möglichkeit einer eleganten Lösung. Ergänzte man die vorhandenen Mauern zu einem rechteckigen Raum, so ergab sich neben dem Kamin eine perfekte Nische für ein Wandregal. Dieses wurde in die Ständerwand integriert und über eine Schattenfuge sauber von der Trockenbauwand abgesetzt. Als Möbel klar erkennbar, wird es dennoch fester Bestandteil der Wand und greift als »volumenloses« Möbel nicht in die sensiblen Proportionen des kleinen Badraumes ein. Beim Betreten des Bades läuft man nicht gegen einen Spiegelschrank, sondern blickt in einen großflächigen Spiegel, der über die Spiegelung den Raum größer erscheinen lässt, als er tatsächlich ist.

Ein weiteres Gestaltungsmittel zur gefühlsmäßigen Vergrößerung eines Raumes ist die Zusammenfassung von Flächen und die Reduktion von Einzelteilen. Kleinteiliges wird zum Ganzen und definiert mit seiner »Größe« mehr Raumvolumen – so geschehen bei der Wand- und Deckenverkleidung. Für den Spritzschutz hinter dem Waschtisch entschieden wir uns für ein HPL-Sandwich, eine farbliche Sonderanfertigung von Resopal, basierend auf einem Entwurf des Designers Lars Contzen. Das durch Matt- und Glanztöne gestaltete florale Muster nimmt dem reduzierten Badentwurf ein wenig seine Strenge.

Die Decke wird zur Wand

Die Paneele sind über Distanzscheiben auf Abstand zur Wand montiert und werden oben weitergeführt – über die beiden Dachschrägen hinweg. Hierbei entschieden wir uns nach Rücksprache mit einer Fassadenbaufirma sowie diversen Klebstoffherstellern für das durchdringungsfreie, rückseitige Aufkleben einer Aluminiumunterkonstruktion.

Wegen der beim Duschen auftretenden hohen Luftfeuchte im Raum ist das Primern der Aluminiumklebeflächen sehr sorgfältig auszuführen, damit eine Oxidation des Aluminiums unterhalb der Klebefläche auf Dauer wirksam unterbunden wird. Fast zwangsläufig ergibt sich bei dieser Deckenkonstruktion die Integration der Raumbeleuchtung über eine LED-Hinterleuchtung des Giebels. Deckenkonstruktion und Dachflächenfenster bilden ein harmonisches Ganzes, frei von störenden Leuchten.

Sakrales zum Abschluss

»Aus der Not eine Tugend gemacht«, so kann man die Platzierung und den Einbau der Hebeanlage beschreiben. Innerhalb des Vorwandelements der WC-Garnitur ist nicht genug Platz für sie. Zwangsläufig sitzt sie also direkt dahinter, außerhalb des Bades – inmitten des Flurs. Anstatt sie mit einem kleinstmöglichen Gehäuse zu verkleiden, entschieden wir uns für eine großvolumige Trockenbaukonstruktion. Im oberen Bereich sitzt ein Fensterdurchbruch. Ähnlich einem Kirchenfenster ist die Öffnung von großflächigen schrägen Laibungen gerahmt. Diese nehmen Bezug auf das Dachflächenfenster des Bades. Ihre Fluchten schneiden sich direkt an dessen Ecken.

In der Praxis gestaltete sich die Umsetzung dieser Idee einfacher als ursprünglich angenommen. In der inneren Wandverkleidung wurde als erstes die Fensteröffnung exakt ausgeschnitten – noch bevor die äußere Beplankung aufgebracht war. Über eine Richtschnur verlängerten wir die inneren Fensterecken auf die Außenfläche und fixierten diese Punkte mit einem provisorischen Rahmen. Anschließend wurde Maß genommen und beplankt. Das anschließende Verkleiden der Laibungsflächen war eine kleinere Fingerübung. Dem Ganzen setzten wir von außen zum Abschluss eine mattierte Glasscheibe vor.


Peter Gahr hat schon als Kind in der benachbarten Schreinerei Möbel gebaut. Heute arbeitet er als Architekt und Möbeldesigner und ist nach wie vor vom Handwerk fasziniert. In dds stellt er Arbeiten aus seiner Werkstatt vor.