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Studenten wissen am besten, wie ein Studentenwohnheim eingerichtet sein muss. Das dachte sich auch die Universität Ulm und bat Studenten der Hochschule Schwäbisch Gmünd um Gestaltungshilfe.

Von Studis für Studis – nach diesem Motto hat die Universität Ulm zusammen mit der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd (HfG) einen Studentenwettbewerb ausgerufen. Es geht um ein ureigenes studentisches Anliegen: Wie lässt es sich auf wenigen Quadratmetern angenehm wohnen und lernen? Das Projekt: Die neue Ulmer Studentenwohnanlage mit dem klangvollen Namen »Upper West Side« soll mit Einzelappartements oder Wohngemeinschaften mit bis zu elf Personen ein wohnliches Heim bieten – mit Möbeln von Studenten für Studenten. Innerhalb eines Semesters haben sechs Teams unterschiedliche Konzepte für die Inneneinrichtung erarbeitet. Halil Karacaoglu und Sebastian Stittgen setzten sich mit ihrem Entwurf einer multifunktionalen Wand, der »Multiwall«, durch. Im Mittelpunkt der Gestaltung standen für die beiden HfG-Studenten die Multifunktionalität der Produkte und deren Anpassungsfähigkeit an die verschiedenen Bedürfnisse der Studierenden. So haben sie eine Wand geschaffen, die alles kann: Sie platziert Bett, Schreibtisch, Schrank und Küchenzeile sinnvoll und platzsparend in den rund 18 m² großen Zimmern. Multiwall bildet eine Art Loch- bzw. Werkzeugwand, in die über Halterungen Regalböden, Schubkästen und offene sowie geschlossene Elemente eingehängt werden können. Sie lässt sich damit flexibel nutzen, strukturiert die Räume und gibt ihnen eine gewisse Leichtigkeit. Durch ein Praktikum beim Münchner Architekturbüro Bogevisch, das die Einrichtung des Studentenwohnheims realisierte, waren Karacaoglu und Stittgen fest in die Planungsphase zur Umsetzung ihres Konzepts eingebunden. Bei Flötotto ging der Entwurf der beiden Studenten dann in die Serienfertigung: Der Möbelhersteller hat die Wand aus 22 mm starkem Multiplex mit Birkenfurnier hergestellt und für eine erhöhte Widerstandsfähigkeit mit einer klaren Melaminbeschichtung versehen. Auch die Aufhängung mit Haken und Regal- bzw. Schrankaufnahmen aus Kunststoff wurden eigens für das Projekt gefertigt. Der Studentenentwurf hat den Möbelhersteller dabei so überzeugt, dass die Multiwall bald im Objektbereich in Serie gehen soll. Jetzt freuen sich die angehenden Produktgestalter aber erst einmal, dass ihr Möbelkonzept in den 38 Wohngemeinschaften und 66 Appartements Einzug gehalten hat und seit Ende letzten Jahres seine Praxistauglichkeit beweist: Denn mittlerweile bewohnen 300 Studierende das Wohnheim. Neben den Appartements können sie einen Musik- und einen Fitnessraum, große Lernräume und den Gemeinschaftsraum mit Tutorenküche nutzen – auch hier ist die Multiwall integraler Bestandteil. Im Außenbereich locken Grillplätze, Tischtennisplatten und ein Beachvolleyballplatz. So lässt es sich angenehm wohnen und lernen. Ja, Student müsste man (noch mal) sein. EMS


Multiwall – Studentenwohnheim Ulm
Möbelkonzept: Halil Karacaoglu und Sebastian Stittgen, Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd www.hfg-gmuend.de Architekten: Bogevischs Buero, München, www.hfg-gmuend.de Hersteller: Flötotto Systemmöbel GmbH, Rietberg-Varensell, www.hfg-gmuend.de