Meisterstücke

Dauerlüftung eingebaut

Für sein wandhängendes Flurmöbel in Lärche und Lack hat sich Alexander Neumair eine faszinierende Belüftung über die Türen und Korpusseiten ausgedacht. Ursula Maier lobt das gelungene Gesamtkonzept für eine Garderobe auf kleinem Raum.

Erstaunlich ist die Durchlüftung dieses Möbels konstruiert, ebenso lassen sich die Proportionen und die durchdachte Ausstattung loben! Zentrale Themen des Entwurfs sind Rhythmus und Kontrast. Außen sind massive Längsholzprofile von 2000 mm Höhe im Wechsel von 30 und 5 mm Breite mit jeweils 5 mm Luft erkennbar, innen wiederholt sich dasselbe Motiv.Erst der Horizontalschnitt offenbart die Konstruktion: In kammähnlich ausgebildete Querrahmen sind als T-Profil gefräste Leisten eingeleimt. Deren Schenkel überlagern sich und lassen in der Tiefe 5 mm Luft für die Zirkulation der Luft. Die Querrahmen gliedern zudem die Innenflächen der Türen und Seiten im Kontrast zur langgestreckten Außenfront. In diesen strengen Rhythmus der Profilleisten fügt sich dezent die lang vorstehende Griffleiste ein. Eine verdeckte Einlage aus HPL verstärkt ihren fragilen Querschnitt. Auch die 5 und 10 mm langen Hirnholzzapfen der T-Profile in die Querrahmen einzuleimen erfordert Fingerspitzengefühl, sehr leicht bricht das Nadelholz! Lappenbänder mit vorstehendem halbem Gewerbe verbergen sich geschickt in einer Nut.

Frisch wirkt das Wechselspiel von Lärchenholz und hellgrün lackierten Flächen: Für die Innenansicht ist das eine wohltuende Konzentration, außerdem sind die lackierten Flächen gut zu reinigen. Der 500 mm tiefe Garderobenschrank eignet sich für enge Flure, die schmalen Türen nehmen wenig Raum ein. Das Möbel ist mit Hängeleisten an der Wand montiert. Der Fußboden darunter kann leicht gereinigt werden. Die 20 mm dicke lackierte Rückwand durchdringt die Seitenwand und setzt damit außen einen Farbakzent. Unter der Schublade für Mützen und Schals ist Platz für Hausschuhe. Der massive Kleiderbügelauszug in Höhe von 2050 mm wird für kleine Personen schwer zu erreichen sein. Es wäre schön, die Konstruktion wäre eleganter ausgeführt, vielleicht ließe sich der Auszug teilweise in den Oberboden integrieren. Das sympathische Möbel ist eine wahre Meisterleistung!

Ursula Maier, Stuttgart, Maître Ébéniste und Innenarchitektin BDIA. Die Unternehmerin hat ihren Betrieb um ein Einrichtungshaus sowie ein Büro für Innenarchitektur erweitert und 2007 an die vierte Generation übergeben.