Meisterstücke

Auftrag mit Hindernissen

Manchmal führt die Vielzahl gestalterischer Vorgaben zu Kompromissen bei der formalen Stringenz eines Möbelstücks. Eckhard Heyelmann hat sich auf Spurensuche begeben.

Christopher Platz hat sein Meisterstück im Rahmen eines Auftrags konzipiert und gebaut. Dabei waren für ihn die Vorstellungen seines Auftraggebers bindend, wonach das Sideboard in der Formensprache an skandinavisches Design der 50er- und 60er-Jahre des 20. Jahrhunderts erinnern soll. Gegenwartsbezug sollte durch Oberflächenbehandlung, Materialwahl und konstruktive Details erreicht werden. Ergebnis ist ein liegender, auf Gehrung verleimter, einfarbig grau lackierter Quader in MDF. Darin sind verschiedene Öffnungen eingeschnitten und über Eck ausgespart, in die Volumen aus Eiche spannungsreich eingesetzt sind. Diese Vollholzelemente sollen die Lackflächen durchdringen, um die streng kubische Wirkung des Monoliths etwas aufzulockern. Das Sideboard soll als Medienmöbel genutzt werden und auch frei im Raum aufgestellt werden können. Als sinnvoller Stauraum und Ablage für Bild- und Tonträger sowie Zubehör dienen drei Schubkästen, ein größeres geschlossenes Fach, ein über Eck verlaufendes CD-Regal und im Schubkasten ein abschließbares Fach mit Klappe.

Der voluminöse Körper liegt auf einem gedrungen bockigen Zargengestell mit ausgestellten Füßen, das in der Geometrie an das Gestell eines vorhandenen dänischen Sofas angelehnt ist. Es nimmt mit Eiche eines der beiden Materialien des Korpus auf, setzt aber eine eigenständige formale Aussage dagegen – für den Korpus mit durch Auslassungen zusätzlich betonten Körperkanten wären schlichte Metallfüße vorteilhafter. Schubkastendoppel und Tür sind an den vertikalen Innenkanten gerundet und nur mit leicht gebrochener Kante in das Volumen bündig eingefügt. Als Grifflösung ist von hinten in Handbreite eine Hohlkehle gefräst. Als Gegenstück und zur Erweiterung des Eingriffs sind in den Korpus freiformartige Aussparungen eingearbeitet. Sie durchbrechen das durch eine kleine Fase fast zu feine Fugenbild und akzentuieren stark die Griffbereiche.
Der Wechsel von Eiche auf Nussbaum in den Schubkästen scheint gestalterisch kaum begründbar. Auch erschließt sich nicht, weshalb die Einschübe lösbar und mit auffälligen Edelstahlverbindern fixiert sind, da eine eventuelle Änderung der Nutzung oder Farbgestaltung nicht angedacht ist. Problematisch ist zudem die fixe Verbindung von Werkstoffen trotz des unterschiedlichen Schwundverhaltens. Das Stück ist handwerklich gelungen und zeigt einen interessanten Gestaltungsansatz, der durch formale Vorgaben nicht durchgängig umgesetzt werden konnte.

Eckhard Heyelmann, Garmisch-Partenkirchen, Innenarchitekt und Dipl.-Designer. Von 1990 bis 2001 hat er als Leiter der Schulen für Holz und Gestaltung in Garmisch-Partenkirchen auch die Entwicklung der Meisterstücke betreut.