Gesellenstücke: Wäscheschrank

Tradition mit Augenzwinkern

Der Wäscheschrank in Tanne und Eiche von August Kalvelage ist ein feinsinniges Gesellenstück, das eine humorvolle gestalterische Raffinesse erst auf den zweiten Blick offenbart.

Federn aus blauem Kautschuk verbinden Leisten, die mit rauten- und trapezförmigen Querschnitten eine rhythmisch gegliederte Front bilden: Oben und unten sind sie in Hirnholzleisten gehalten, was durch die einseitig überschobene Konstruktion der Türen nur auf der Innenseite offenbar wird. Der Schnitt in der Horizontalen macht verständlich, dass der Blick auf die blauen Zwischenräume mit dem Standpunkt des Betrachters zum Möbel variiert.

Über das humorvolle Detail hinaus, und abgesehen von dem auch verzichtbaren Untergestell, ist der massive Wäscheschrank in Tanne und Eiche ein lupenreiner Klassiker in Brettbauweise. Einfachheit in der Form und die materialgerechte Konstruktion kennzeichnen den zeitlosen Stil, der an den Schulen für Holz und Gestaltung Garmisch-Partenkirchen in besonderer Weise gepflegt wird. Das Gesellenstück ist geseift, was der Verwendung als Wäscheschrank Rechnung trägt – so nimmt die Wäsche im direkten Kontakt mit dem Holz keinen aufdringlichen Duft an, der insbesondere von geölten Oberflächen im geschlossenen Korpus ausgehen kann. Die Ruhe der Fassade des Schrankes geht auf die ausgewogene Aufteilung der Fläche zurück, die Innengestaltung auf die Funktionalität und Ästhetik handwerklicher Details. Hohe Schule des Möbelbaus! –JN