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Seite: 76 - 77 | Ausgabe: 06 / 2010

Stauraum neu gedacht

Uli Hofbeck, Schulen für Holz und Gestaltung Garmisch-Partenkirchen, will mit seinem Meisterstück »die in den meisten kleinen Wohnungen herrschende Unordnung in ein geordnetes Verhältnis bringen, ohne dabei spießig zu erscheinen«.
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Kleider- und Utensilienturm von Uli Hofbeck. Rüster geölt und gewachst, gewalzter Stahl. Rahmen mit Magneten verbinden die fünf Korpuselemente
Kleider- und Utensilienturm von Uli Hofbeck. Rüster geölt und gewachst, gewalzter Stahl. Rahmen mit Magneten verbinden die fünf Korpuselemente

Nicht nur, dass Uli Hofbeck das Thema Stauraum auf eine ganz ungewöhnliche und innovative Weise interpretiert hat (was alleine schon eine Meisterleistung ist), auch tektonisch ist er keiner Schwierigkeit aus dem Weg gegangen. Hier finden sich Massivholzverbindung in den unglaublichsten Winkeln, ein stringentes Konzept zum Thema Fügen und Distanzhalten (Schattenfugen), bis hin zu einer überzeugenden Variabilität, die Anordnung bzw. Kombination der fünf Kuben betreffend: Tatsächlich eröffnen sich hier dem Benutzer Gestaltungsoptionen, von denen er mit wenigen Handgriffen Gebrauch machen kann und die jedes Mal einen anderen Hingucker bescheren. Aber mehr noch beeindruckt mich, dass hier ein formaler Ausdruck für ein Möbel gefunden wurde, dem ich zutraue, dass man ihn später einmal mit dem Beginn der 2000er-Jahre verbinden wird. Die Schweizer Architekten Herzog & de Meuron haben diesen entscheidend geprägt, indem sie sich von naturwissenschaftlichen Grundprinzipien inspirieren ließen und sie in Bauformen umgesetzt haben: In den Fünf Höfen in München füllt ein überdimensionaler stählerner Wollknäuel einen der ungeschlacht bemessenen Innenhöfe; das Stadion des deutschen Fußballmeisters findet seinen Ausdruck für die auf der Autobahn vorbeirauschenden Fahrer in einem drall gefüllten Pneu (der sich in den Vereinsfarben illuminieren lässt) und den Namen des Olympiastadions in Peking kennt keiner wirklich – man spricht vom Vogelnest, dessen geniale Übersetzung den Architekten geglückt ist. Ein solches Entwurfsvorgehen war auf dem Möbelsektor bisher vor allem den Metall- und Kunststoffverarbeitern vorbehalten. In diesem Falle ist sie in grandioser und eigenständiger Weise in Holz gelungen!

»Ein solches Entwurfsvorgehen war bisher Metall- und Kunststoffverarbeitern vorbehalten.«

Axel Müller-Schöll

Fotos: Wolfgang Pulfer

Autor: Prof. Axel Müller-Schöll Burg Giebichenstein, Hochschule für Kunst und Design Halle

Kleider- und Utensilienturm von Uli Hofbeck. Rüster geölt und gewachst, gewalzter Stahl. Rahmen mit Magneten verbinden die fünf Korpuselemente
Mit Aufrechten und Querfriesen werden die schrägen Leisten überblattet
Die Seiten der beiden geschlossenen Körper sind in massiver Bauweise verschwertet
Kunstvolle Eckverbindung: Das aufrechte Fries ist kreuzweise doppelt geschlitzt
Frontalschnitt (oben) und Horizontalschnitt durch den Schubladenkorpus
Oben: Vertikalschnitt durch den Schubladenkorpus
Frontalschnitte durch die Verbindungsrahmen, rechts mit Stahlplatte als Sockelgewicht