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Seite: 78 - 84 | Ausgabe: 02 / 2013

Neue Lust auf Holz

Die Ergebnisse des Bayerischen Landeswettbewerbs Gute Form im November 2012 entsprechen einem Trend, der bei der Kölner Möbelmesse im Januar 2013 unverkennbar war: Massives Holz in handwerklicher Verarbeitung steht hoch im Kurs.
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Mit der Gestaltung von Möbeln sind Tischler und Schreiner selten Trendsetter – auch die Auszubildenden zeigen sich eher als aufmerksame Beobachter, manchmal auch als treue Verwalter dessen, was in der großen Möbelwelt vor sich geht und nicht selten bereits wieder rückläufig ist. Mit einer gewissen Nachhallzeit auf die Entwicklung am Markt fanden sich bei den bayerischen Gesellenstücken 2012 mehr Fernbedienungen als Schlüssel: RGB-Moods waberten um jedes zweite Möbel. Das Vorbild »Eo« von Interlübke, »das erste Möbel, dem der Benutzer per Fernbedienung jede erdenkliche Farbe geben kann«, ist ab 2013 hingegen nicht mehr im Programm vertreten.

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Charakteristische Hülle Korpuselemente in Ulme sind von einer durchbrochenen Hülle aus weiß beschichteter Multiplex umgeben. Sie bildet einen Raum, ohne abzuschotten. Eine interessante Komposition dreier Elemente, die sich deutlich voneinander absetzen und angeregt miteinander korrespondieren. Alexander Roser, 90489 Nürnberg. Preisträger Gute Form
Mehr als eine Minibar Der geschlossene Korpus in Eiche und durchgefärbter MDF hat eine strenge vertikale Teilung. Innen zeigt die archaische Grundform eine Mischung aus Schrein und Vitrine. Die Verwendung als Minibar erscheint zweitrangig. Hannes Schmidmayer, Schreinerei Eham, 83734 Hausham. Preisträger Gute Form
Tisch für Pragmatiker Zwei Böcke und zwei Stege, eine zusammengesetzte Platte, ein beidseitig nutzbarer Schubkasten und eine originelle Kipplade nach niederländischem Vorbild – fertig ist der Tisch! Tobias Holland, Schreinerei Kranzmayr, 84427 St. Wolfgang. Belobigung Gute Form
Lego für Schreiner Stattliche Quader in furnierter MDF dienen als Bausteine für unterschiedliche Stauraumkonfigurationen. Ein gefrästes Muldenraster nimmt Stahlkugeln für eine formschlüssige horizontale Verbindung auf. Voraussetzung für die Variabilität des Möbels ist eine sehr präzise Fertigung. Florian Lederer, Lotter-Objekt, 93309 Kelheim. Belobigung Gute Form
Streng proportioniert Das kompakte Wandboard mit Klappe und tiefem Schubkasten ist eine Zierde für den Flur. Hinter dem Schubkasten ist Platz für die verborgene Installation von Technik. Überzeugende Gestaltung, hochwertiges Material und ein vernünftiger zeitlicher Aufwand zeichnen dieses Gesellenstück aus. Hannes Braun, Schreinerei Stanzel, 85354 Freising-Pulling. Belobigung Gute Form
Bunte Modenschau Elsbeere, Ahorn, Glas, Betonimitat und Baustahl bilden eine bunte, durchaus stimmige Materialkollage. Irreführend sind die vorgetäuschte Schubkastenteilung der Front und die statisch nicht überzeugende Dimensionierung des »Beton«-Skeletts. Die Rückwand ist transluzent furniert und leuchtet auf Wunsch in RGB-Moods. Matthias Englert, Arnold Möbelmanufaktur, 92706 Luhe-Wildenau
Effektvolle Täuschung Banderolen aus lackierter MDF lassen durch konvex und konkav gefräste Konturen den Querschnitt des Korpus je nach Blickrichtung bauchig oder tailliert erscheinen. Mittig zeigt das Sideboard ein truhenartiges Fach mit Deckel, flankiert von hinterleuchteten Einschüben. Christina Thierjung, Schreinerei Groner, 91809 Wellheim-Biesenhard
Fast ein Systemmöbel Das durchlaufende Band der Schubladen in geöltem Kirschbaum vermittelt zwischen dem schwarz angelassenen Gestell aus Flachstahl und dem weißen Aufsatz in lackierter MDF. Die Gefache des Aufsatzes des Sekretärs zitieren die Teilung der Schubkastendoppel. Das Möbel ließe sich auch leicht in anderen Größen konfektionieren. Leonhard Heckl, Schreinerei Pfisterer, 82335 Berg
Baumhaus-Bar Dem C-förmigen Unterbau des Korpus in Tineo dient ein Stück Treibholz als Stütze. Das ist dekorativ; es wäre aber auch attraktiv, der Korpus ruhte auf einem geschlossenen Rahmen: Die dünne Ausführung in Räuchereiche erinnert an korrodiertes Stahlblech, wie es gern als Sockel für plastische Kunstwerke benutzt wird. Der Korpus des Barschranks könnte noch ein wenig feiner dimensioniert sein. Thomas Bongart, Schreinerei Kintscher, 83679 Sachsenkam
Akzent und Attraktion Die eigentliche Attraktion des schlichten Kastenmöbels sind die Türen in Spaltholzoptik: das farbig lackierte Doppel des mittigen Auszugs setzt einen Akzent, dient aber mehr als eine die Wahrnehmung steigernde Kontrastfläche. Der Korpus steht auf einer massiven Stahlplatte. Maria Saenz, Schreinerei Fischer, 86447 Todtenweis
Schuhanzieher Wie ein überdimensionaler Schuhlöffel ergänzt die Bank den wandhängenden Schuhschrank. Im Detail zeigt sich, dass nicht die Bank an den Schrank andockt, sondern letzterer auf der Bank aufliegt. Der Kontrast von Räuchereiche zum knallgelben HPL stellt das Schuhmöbel in einen modischen Kontext. Die sich in der Dicke verjüngende Bank mündet in einen Fuß aus Edelstahl. Ein Anleimer verdeckt den Aufbau der Formverleimung. Tanja Witt, Schreinerei Demmler, 87634 Obergünzburg-Willofs