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Seite: 14 - 21 | Ausgabe: 10 / 2011

Holz bewegt

Junge norddeutsche Tischler haben in Hamburg ihre Möbel und Objekte in einer viel beachteten Ausstellung gezeigt. Ausgewählte Arbeiten im Spannungsfeld von Ästhetik, Funktionalität – und Poesie.
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Meister und Gesellen, Künstler, Architekten und Azubis aller Lehrjahre sind von April bis Juni 2011 im Hamburger Museum der Arbeit Botschafter einer gemeinsamen Sache geworden: Ihre Exponate zogen Tausende Besucher in die Ausstellung »Holz bewegt« und machten aus Design, Nachhaltigkeit und Handwerkskunst einen Themenmix zum Anfassen. In den vier Kategorien Design, Produktqualität, Innovationen und Ökologie von einer Fachjury prämierte Arbeiten waren für die Gäste Wegweiser in der Vielfalt der Gestaltungsmotive – unaufdringlich und doch mit Aufforderungscharakter, hinter die bloße Fassade der Stücke zu blicken. Das eigene Urteil war ebenfalls gefragt, im Votum für einen Publikumspreis. Die 30 in der Ausstellung gezeigten Arbeiten wurden von der Jury im Oktober 2010 aus 50 Einsendungen ausgewählt – Holz bewegt ist ein Gestaltungswettbewerb, der Tischler im Norden Deutschlands anregen soll, »ästhetische und praktische Ansprüche an ein Möbel aufeinander abzustimmen, dabei die Holzarten mit spezifischen Eigenschaften, auch der ihnen innewohnenden Poesie, angemessen einzusetzen sowie die Konstruktion und Herstellung so zu planen, dass die Ressourcen geschont werden«. Poesie? Das erinnert mich an die wohl einzige Begegnung, die ich in der Berufsschule mit Theodor Heuss hatte: »Holz ist zwar nur ein einsilbiges Wort, dahinter aber verbirgt sich eine Welt voller Zauber und Wunder.« Kürzer: »Holz bewegt«. Idee und Konzeption des Wettbewerbs gehen auf Johannes Jürgensen an der Hamburger Gewerbeschule 6 zurück. Er hat zu jedem Exponat einige Verszeilen verfasst, die Zugang schaffen können zur innewohnenden Poesie. Für das rechts abgebildete, »Tanzende Blätter« genannte: Winde / jagen / den Blättern nach / verweile doch / du bist / so schön Im Frühjahr 2013 ist nach 2009 und 2011 die dritte Ausstellung »Holz bewegt« in Hamburg geplant. JN

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Auf den Kopf gestellt Lamellenartig aufgebaute Sitzmodule aus rüsterfurniertem Birkensperrholz, Alu-Distanzhülsen und Gewindestangen. Sven Lamtjew, Lars Andresen und Falk Ramcke, Fachschule für Technik und Gestaltung Flensburg.
Spielräume Halbschalen aus Eichefurnier, Glasfasereinlagen und Epoxidharz sind mit Aluminiumfedern zu offenen Volumen verbunden. Sitz- und Spielmöbel von Tino Zimmermann, Nenning Brix, Tom Wendlandt, Björn Günke und Stefan Pahl, Fachschule für Technik und Gestaltung Flensburg. Dritter Platz in der Kategorie Design.
Sitzen erleben Bewegliches Sitzmöbel für Kinder, Escheformholz und Stoff. Finn Detert, Mario Dersewski und Jonas Ritt, Fachschule für Technik und Gestaltung Flensburg. Zweiter Platz Kategorie Produktqualität.
Geführte Bewegung Hängeschrank mit vertikal verschiebbarer und beleuchteter Front. Sie verdeckt partiell das offene Fach über dem Schubkasten auf Holzkulissen. Massive Eiche, Multiplex, Vogelaugenahorn. Jana Kerpen, Felix Neumann und Lukas Irrgang, Gewerbeschule 6, Hamburg.
Klassischer Mittelpunkt Als Gesellenstück gefertigter zerlegbarer Schreibtisch mit durchgestemmten und verkeilten Zapfen. Massive Eiche. Hannes von Coler, Hamburg. Dritter Platz Kategorie Produktqualität, zweiter Platz Umweltpreis.
Strom der Zeit Die faltbare Front schließt durch in den Türstoß eingelassene Magnete. Das Furnierblatt wirkt im Korpus aus schwarzer MDF als Gemälde. Projekt an der Fachschule Holztechnik Hamburg.
Humorvolle Metamorphose Durch zwei Attribute wird aus dem Hängebord ein aufgeplusterter stilisierter Handhobel. Die Arbeit aus der Johannes-Selenka-Schule Braunschweig zeigt modisches Gespür für Farbe und Material.
Auf den Scheffel gestellt Lichtobjekt und Arbeitsleuchte, entwickelt an der Fachschule Holztechnik Hamburg. LED-Stripes und Spot liegen hinter einer Mattscheibe.
Neue Heimat Dalbenholz aus dem Hamburger Hafen (Pfähle aus dem Hafenbecken) und Eisenschrott werden zum Ausgangsmaterial für eine Sitzbank, die jeder Witterung trotzt. Jugendwerkstatt Rosenallee, Hamburg. Erster Platz Umweltpreis.
Stammplatz Genial einfache und formschöne Konstruktion aus konischen Escheleisten, Leder und Hanfseil. Jasper Kreft, Hamburg-Altona. Erster Platz Kategorie Innovation, dritter Platz Umweltpreis.
Tanzende Blätter Dreiecke aus Eiche bilden eine konkave, sechseckige Fläche, die leichtfüßig von einem Gestell aus Stahlrohr getragen ist. Jan-Erik Gerdt und Jorge Picas de Carvalho, Hamburg. Erster Platz Kategorie Design.
Fotos: Heinrich Smit