Das organisierte Tischler-/Schreinerhandwerk hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Wandlung durchgemacht. Nach einer langen Zeit personeller, finanzieller und sonstiger Katastrophen ist der soeben in »Tischler Schreiner Deutschland« umbenannte BHKH mittlerweile auf einem sehr guten Weg (lesen Sie hierzu auch die Meldung auf Seite 6). Während auf dem Höhepunkt der Krise Schuldenberge drückten und diverse Landesverbände ausgetreten waren oder mit Austritt drohten, ist sich die Branche derzeit so einig wie selten zuvor. Die neue Einigkeit geht gar soweit, dass eine so heikle Angelegenheit wie die Umbenennung des Verbandes und ein neues Logo auf der jüngsten Mitgliederversammlung ohne Kontroverse und mit großer Mehrheit beschlossen wurde.
In der Tat kann man konstatieren, dass sich in Berlin vieles zum Positiven gewendet hat. Das Arbeitsprogramm des Bundesinnungsverbandes ist klar definiert. Die Zusammenarbeit zwischen den Landesverbänden hat sich deutlich verbessert. Jüngstes Beispiel dafür ist die Übernahme der Baden-Württemberger »Zug um Zug für Kinderherzen«-Aktion zum bundesweiten Tag des Tischlers am 6./7. November. Auch was die Arbeit in den Qualitätsgemeinschaften wie Entspannt modernisieren etc. angeht, gibt es zunehmende Synergieeffekte. Und nicht zu vergessen: Die aufmerksamkeitsstarke Nachwuchskampagne »Tischler vs. Schreiner«, die trotz hoher Kosten gestemmt wurde und mit der immerhin rund 100000 Jugendliche erreicht werden konnten.
Ruhe an Bord ist allerdings auch dringend erforderlich, um das Schiff namens Tischler-/Schreinerhandwerk einigermaßen sicher durch die Wellen zu bugsieren. Denn stürmisch ist das Wetter nach wie vor. In den Innungen und Landesverbänden gehen die Beitragseinnahmen weiter zurück. Ein Teufelskreis: je weniger Beiträge fließen, desto weniger Sacharbeit ist letztlich möglich. Doch nur über die lassen sich die bestehenden Mitglieder halten und neue gewinnen. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen (CE-Zeichen, Holzstaub, VOC usw.) für die Betriebe verkomplizieren sich weiter und erfordern die Einflussnahme in Fachgremien und Lobbyarbeit auf der politischen Bühne. Die anstehenden Aufgaben erfordern einen Verband, der mit einer Stimme spricht und zielstrebig handelt. Die Verantwortlichen scheinen sich dessen langsam bewusst zu werden.
Hans Gaffé, Chefredakteur
»Die anstehenden Aufgaben erfordern einen Verband, der mit einer Stimme spricht und zielstrebig handelt.«