Seite: 68-69 | Ausgabe: 08/2010 Der Kaffee ist fertig
Prof. Peter Litzlbauer, Staatl. Akademie der bildenden Künste Stuttgart, Fachbereich Architektur und Design
Mit seinem Meisterstück in Form einer zwei Meter hohen stilisierten Kaffeebohne gelingt es Daniel Zimmer, Bildungszentrum Traunstein, den Ort des Kaffeezubereitens in den Mittelpunkt zu rücken. Wird die Funktion dem großen Auftritt gerecht?
Geheimnisvoll schimmert Licht durch die vertikalen Lamellen und lässt das Möbel leichter erscheinen, als es sich vordergründig gibt. Was verbirgt sich hinter dieser wuchtigen Erscheinung? Schwer lässt sich die Funktion erahnen und nichts deutet darauf hin, dass es sich hier um einen Kaffeeschrank handelt. Erst auf den zweiten Blick ist mit Fantasie die Assoziation zur Kaffeebohne erkennbar, gestützt durch die Formensprache und die Anmutung des Siricotefurniers, ein Tropenholz aus Mittelamerika. Durch den Trompe-lòeil-Effekt der vertikalen Mittelachse wird die Kerbe der Kaffeebohne nachempfunden.
Erst in der technischen Zeichnung wird der enorme konstruktive Anspruch deutlich. Daniel Zimmer zieht alle Register der Geometrie. Die Ellipse dient ihm als Basis. Kranzförmig reihen sich die zwei Meter hohen Lamellen aus schwarzem MDF, furniert mit Siricote, in regelmäßigem Abstand um die Korpus- skelettringe aus Multiplex. Durch einen Sensor gesteuert öffnen sich wie von Geisterhand die Korpushälften zur Seite, geführt auf Teleskopschienen, bewegt durch einen motorischen Spindelantrieb im Sockelbereich. Der weiß lackierte Innenkorpus wird durch Schubkästen und Drehtüren gegliedert. Er dient als Standplatz für die Kaffeemaschine und bietet auch Platz für Geschirr. Die Elektrifizierung ist geschickt integriert.
Bei weiterer Betrachtung und sicherlich nach der ersten Benutzungszeit stellt man sich die Frage, warum diese grandios inszenierte Kaffeestation nicht noch mehr zu bieten hat - zum Beispiel eine innere Beleuchtung, einen Wasseranschluss und ein kleines Spülbecken? Diese Funktionen sind eigentlich mit dem Kaffeekochen eng verbunden und würden dem Meisterstück zur absoluten Perfektion verhelfen.
»Warum hat diese grandios inszenierte Kaffeestation nicht noch mehr zu bieten?«
Peter Litzlbauer
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Quelle: dds - das magazin für möbel und ausbau
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