Seite: 82-83 | Ausgabe: 04/2010          (1) Schreibtisch für den Chef
Prof. Peter Litzlbauer, Staatl. Akademie der bildenden Künste Stuttgart, Fachbereich Architektur und Design
Bernhard Stallhofer, Bildungszentrum Traunstein, verschafft dem klassischen Schreibtisch in fest verbundener Winkelform ein Comeback. Amerikanischer Nussbaum und rotes Linoleum sind treffsicher aufeinander abgestimmt.
Ein Tag ohne Computer ist heute nicht mehr vorstellbar und auf diesem Schreibtisch erwartet man den schnurlosen Laptop. Sichtbare Kabel würden dem Möbel seine einfache Eleganz rauben! Seine Formensprache erinnert an die De Stijl-Bewegung am Anfang des 20. Jahrhunderts, vertreten zum Beispiel durch Gerrit Rietveld. Als Vorbild erkennbar ist die Architektur- und Designauffassung, horizontale und vertikale Flächen gegeneinander zu stellen und schichtartig zu verbinden.
Stallhofer stellt zwei kräftige rote Scheiben auf den Boden. Darauf legt er zwei ebenfalls kräftige Nussbaumplatten als rechtwinkelig übereinander liegende Schichten. Das scheint ihm noch nicht raffiniert genug zu sein, daher schiebt er noch eine dünne rote Platte zwischen die Nussbaumplatten. Konsequent ist sie überstehend ausgebildet und damit als eigenständiges Bauteil erkennbar. Die Idee wird mit Griff- und Zierleisten am Schubladenblock übernommen, die dekorativ als dünne Linien wirken und dem Schreibtisch optische Leichtigkeit schenken. Der schwebende Eindruck des Schubladenblocks wird durch das Zurücksetzen und den nach oben zur Platte offenen Raum unterstützt. Ist der Auschnitt der rechten tragenden Scheibe eine gestalterische oder eine funktionale Notwendigkeit? Gestalterisch verringert er die Wucht des Fußgestells und stärkt die formale Eigenständigkeit. Um mehr Kniefreiheit zu gewähren, erscheint er allerdings zu klein. Formal betrachtet könnte auch die Kante des Ausschnitts mit rotem Linoleum belegt sein. Dem steht entgegen, dass auf Gehrung ausgebildete Linoleumkanten generell sehr stoßempfindlich sind.
Die handwerkliche Ausführung und ausgezeichnete Materialwahl möchte ich bei diesem Meisterstück besonders hervorheben.
»Handwerkliche Ausführung und Materialwahl sind bei diesem Meisterstück beeindruckend.«
Peter Litzlbauer
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